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Weiterer Mitarbeiter entlassen
Skandal am Aachener Uniklinikum: Ermittlungsergebnisse in zwei Wochen

Von Marlon Gego
Aachen. Nach Bekanntwerden des Skandals in der Notaufnahme hat sich das Aachener Universitätsklinikum von einem weiteren Mitarbeiter des Pflegedienstes getrennt. Der betreffende Mitarbeiter habe zwischenzeitlich einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, teilte ein Sprecher des Klinikums gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Vier anderen Mitarbeitern des Pflegedienstes war bereits im September fristlos gekündigt worden.
Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte am Montag ein Verfahren eingeleitet, um zu prüfen, ob es sich bei den Vorfällen am Klinikum möglicherweise um Straftaten gehandelt hat. Pfleger der Notaufnahme hatten demente oder anderweitig in ihrem Bewusstsein eingeschränkte Patienten geschminkt und verkleidet und sich anschließend mit ihnen fotografiert. Weitere Fotos zeigen nackte Körperteile von Patienten und Pfleger beim vermeintlichen Konsum harter Drogen im Klinikum. Diese Fotos waren über den Kurznachrichtendienst Whatsapp verbreitet worden. Durch einen anonymen Hinweis hatte die Klinikumsleitung im September von den Fotos erfahren und disziplinarische Maßnahmen eingeleitet.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, innerhalb der nächsten zwei Wochen entscheiden zu können, ob ein formelles Ermittlungsverfahren gegen derzeitige oder frühere Mitarbeiter des Klinikums eingeleitet wird oder nicht. In Betracht kommen Straftatbestände wie Missbrauch von Schutzbefohlenen, Nötigung, Beleidigung oder die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. In zwei Wochen ist möglicherweise auch Aufschluss darüber zu erwarten, ob in die Vorfälle tatsächlich weder Ärzte noch Vorgesetzte der Pflegedienstmitarbeiter involviert waren, wie die Klinikumsleitung gegenüber unserer Zeitung erklärt hatte.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte im Zusammenhang mit den Vorfällen am Klinikum, bei der Verletzung der Würde von hilflosen und schutzbedürftigen Patienten durch Pflegekräfte und Ärzte das Strafrecht heranzuziehen. Zwar greife zunächst das Arbeitsrecht, „aber der Gesetzgeber muss dennoch überprüfen, ob das Strafrecht hier ausreichend ist“, forderte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch. Auch müssten sich Mitarbeiter regelmäßig mit einem respektvollen Umgang mit hilflosen Menschen befassen und mögliche Grenzüberschreitungen im Team thematisieren. „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens“, sagte Brysch.

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