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Tihange_370 neue Risse in den belgischen Pannenmeilern

Ultraschalluntersuchung von Tihange 2 und Doel 3. Atomaufsichtsbehörde und Betreiber sehen keine Gefahr. Grüne fordern Abschaltung der Reaktoren.
Von Madeleine Gullert
Tihange. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC hat 370 neue Risse in den belgischen Atommeilern Tihange 2 und Doel 3 aufgezeichnet. In dem nur 60 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernten Meiler Tihange 2 wurden bei neuerlichen Ultraschalluntersuchungen 70 Risse aufgezeichnet, die vorher nicht bekannt waren, in Doel bei Antwerpen sogar 300. Es handele sich aber nicht um neue Risse oder Wasserstoffeinschlüsse, so die FANC (Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle). Es gebe für die vermeintlichen Veränderungen wissenschaftliche Erklärungen. Die Sicherheit der Meiler sei deshalb auch nicht gefährdet, teilten FANC, der belgische Innenminister Jan Jambon und der Betreiber des Kernkraftwerks, Engie-Electrabel, mit. „Das Auftauchen dieser kleinsten Wasserstoffeinschlüsse ist auf eine andere Positionierung des Ultraschallgeräts zurückzuführen“, sagte Engie-Sprecherin Anne-Sophie Hugé unserer Zeitung. Also: neue Risse oder doch neue Rechnung?
Krischer: dreiste Ausrede
„Die Ausrede, die zusätzlichen Risse seien auf andere Kamerapositionen zurückzuführen, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten“, kritisierte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne). „Bis zu einer unabhängigen Überprüfung gehören Tihange 2 und Doel 3 sofort vom Netz“, forderte er. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dürften sich nicht weiter von der belgischen Politik abspeisen lassen. Eine Sprecherin von Hendricks teilte auf Anfrage gestern mit, dass man nun den Bericht unverzüglich durch die Staatliche Materialprüfungsanstalt Stuttgart auswerten lasse.
Bei Engie gibt man sich gelassen: Man müsse sich das Ultraschallgerät mit Kameras wie eine Spinne vorstellen, sagte Hugé. Es untersuche den Behälter stets aus anderen Positionen. Im Vergleich zur Untersuchung von 2014 habe sich die Zahl deshalb verändert.

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