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Tihange: Was tun unsere Abgeordneten?

Belgischer Rissreaktor: Oliver Krischer (Grüne) wünscht sich von Politikern aus der Region mehr Engagement. Ulla Schmidt (SPD) kontert.
Von Madeleine Gullert
Aachen/Berlin. Nach dem Wiederanfahren des umstrittenen belgischen Reaktors Tihange 2 bei Lüttich wünschte sich die NRW-Landesregierung mehr Druck aus Berlin auf Belgien. Doch wie reagieren eigentlich Bundestagsabgeordnete aus der Region in Berlin?
Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) setzt sich seit Jahren für das Thema ein. Er würde sich wünschen, dass sich andere Kollegen aus der Region mehr engagieren. Er wisse nicht, was seine Kollegen im Hintergrund machten, aber bei Demos oder Veranstaltungen habe er, soweit er sich erinnern könne, nie jemanden getroffen, sagte Krischer unserer Zeitung. „Ich habe vor längerer Zeit schon mal Kollegen angesprochen, etwas zusammen zu machen.“ Einen gemeinsamen Appell habe er sich gewünscht. „Das Interesse war aber – diplomatisch formuliert – bescheiden“, kritisiert Krischer. Er habe den Eindruck, dass Kollegen das Problem der Rissreaktoren nicht ernst nähmen. Krischer will jetzt aber einen neuen Versuch unternehmen.
Der Aachener Abgeordnete Rudolf Henke kann den Vorwurf nicht nachvollziehen. Er habe erst Ende November gemeinsam mit seinen CDU-Kollegen aus der Region – Helmut Brandt, Thomas Rachel, Detlef Seif und Wilfried Oellers – in einem Brief an das Bundesumweltministerium gefordert, die Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 stillzulegen. „Ich setze mich weiter dafür ein, dass die Reaktorblöcke abgeschaltet werden und Belgien den geplanten Atomausstieg verfolgt“, sagte Henke gestern auf Anfrage. „Ich möchte vor allem, dass die Aachener sicher leben können.“ Das Wiederanfahren des Reaktors beunruhige ihn sehr.
Sie habe sich immer dafür eingesetzt, dass Tihange 2 nicht wieder ans Netz geht, sagte auch Ulla Schmidt (SPD) gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Nur weil jemand laut ist, heißt es nicht, dass er mehr macht als andere“, sagte Schmidt in Richtung Krischer, der sie in der Sache noch gar nicht angesprochen hätte. Die Aachenerin stehe aber lange schon in engem Kontakt mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wegen Tihange. „Sie lehnt das Wiederanfahren auch ab.“ In einem Brief bat Schmidt Hendricks gestern, sich bei der belgischen Regierung dafür einzusetzen, dass Kernkraftwerke, die den Sicherheitsanforderungen nicht genügen, abgeschaltet werden. Das Problem aber sei, dass es keine rechtliche Handhabe gebe. Nur wenn Betreiber Electrabel ein AKW erweitern würde, müsse es ein europäisches Beteiligungsverfahren geben. Das sei aber nicht der Fall.
Das Bundesumweltministerium lässt derzeit die Unterlagen der belgischen Atomaufsicht zum Wiederanfahren von Tihange 2 und Doel 3 prüfen. Ergebnisse gebe es aber noch nicht, wie eine Sprecherin gestern mitteilte.

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