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Thiange_Tihange: Engie will die Laufzeit verlängern_Brüssel_Tihange ist absolut sicher_Düsseldorf_Land verkauft Engie-Anleihen mit Gewinn

Der Leiter des belgischen Kraftwerks hat keine Sicherheitsbedenken. Die Atomkraft sei noch zehn bis 20 Jahre lang eine wichtige Brückentechnologie
VON MADELEINE GULLERT UND RENÉ BENDEN
Tihange/Aachen. Der Betreiber der umstrittenen belgischen Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 kann sich eine Laufzeitverlängerung über das Jahr 2022 hinaus gut vorstellen. „Wir sind der Meinung, dass die Nukleartechnologie, die kein CO2 emittiert, für die nächsten zehn bis 20 Jahre eine Übergangstechnologie darstellen kann, um erneuerbare Energien auszubauen“, sagte Jean-Philippe Bainier im Interview mit unserer Zeitung. Bainier leitet das Kraftwerk seit drei Monaten, zuvor war der Franzose Leiter des ebenfalls umstrittenen AKW Fessenheim. Die stetig wachsende Zahl der Risse in den Druckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 begründete Bainier mit abweichenden Messpositionen. Er betonte, dass die Wasserstoffeinflüsse ungefährlich seien: „Tihange ist absolut sicher.“
Die neueren Reaktoren – Doel 3, Doel 4, Tihange 2 und Tihange 3 – könnten durchaus gut genutzt werden, um die Stromversorgung sicherzustellen. „Nirgendwo steht geschrieben, dass AKW nur 40 Jahre funktionieren. AKW laufen üblicherweise 60 Jahre problemlos“, sagte Bainier. Letztlich müsse aber die Politik die Richtung vorgeben. Nach derzeitiger belgischer Rechtslage müssten die umstrittenen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 im Jahr 2022 außer Betrieb gesetzt werden, weil sie dann ihre maximale Laufzeit von 40 Jahren erreicht haben.
Eigentlich hat Belgien den Atomausstieg für das Jahr 2025 beschlossen. Allerdings hat die Regierung ein Gesetz zur Laufzeitverlängerung der Meiler Doel 1 und Doel 2 bis 2025 beschlossen. Die Meiler sind seit 1974/75 am Netz. Die N-VA (Neu-Flämische Allianz), der auch der zuständige Innenminister Jan Jambon angehört, plädierte massiv für einen Aufschub. Ein Atomausstieg Belgiens im Jahr 2025 sei nicht möglich, lautete die Einschätzung der Partei.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kritisierte die Haltung von Engie. Weltweit seien die Laufzeiten von Atomkraftwerken bei Inbetriebnahme zumeist auf 40 Jahre ausgelegt gewesen. Eine Verlängerung
über 40 Jahre hinaus halte sie für einen Irrweg. „Ich werde mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dafür einsetzen, dass eine Laufzeitverlängerung insbesondere von Tihange 2 und Doel 3 nicht erfolgt“, sagte Hendricks auf Anfrage unserer Zeitung. Aber am Ende sei es eine souveräne Entscheidung des belgischen Parlaments.
Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) kritisierte ebenfalls den belgischen Energieversorger. Engie habe ständig neue Probleme und bekäme die Risse in Tihange 2 und Doel 3 nicht in den Griff. Dass der Konzern die Meiler trotzdem länger betreiben wolle, sei rücksichtslos. „Da hat man die Signale wohl gar nicht verstanden.“ Krischer sieht jedoch auch eine in Belgien wachsende Kritik an der Kernkraft. „Auch Belgien wird die Energiewende betreiben müssen, und auch in Belgien gibt es Kritik an den Meilern.“
„Ich bin fassungslos über die Dreistigkeit des Betreibers, den Reaktor noch viel länger als geplant laufen lassen zu wollen“, sagt Jörg Schellenberg vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie, der seit Jahren den Protest gegen den Meiler aus der Region mit organisiert. „Anstelle eine Laufzeitverlängerung von Tihange 2 anzustreben, hätte der Reaktor wegen Sicherheitsmängeln schon längst vom Netz genommen werden müssen.“
Unterdessen hat Nordrhein-Westfalen die umstrittenen Unternehmensanleihen an den französischen Energiekonzernen EDF und Engie aus dem NRW-Pensionsfonds mit Gewinn verkauft. Für die Papiere im Wert von zuletzt 13,3 Millionen Euro wurden 14,9 Millionen erzielt, erklärte gestern eine Regierungssprecherin unserer Zeitung.  ▶ Seite 8 und 9
Tihange ist absolut sicher.“
Jean-Philippe Bainier, Leiter des belgischen Atomkraftwerks Tihange
„Das Kernkraftwerk Tihange ist absolut sicher“
Der Franzose Jean-Philippe Bainier leitet die umstrittene Anlage in Belgien. Im Interview betont er, dass Atomenergie für Belgien derzeit unverzichtbar ist.
VON MADELEINE GULLERT UND RENÉ BENDEN
Tihange. Er soll alles besser machen. Jean-Philippe Bainier ist seit drei Monaten Leiter des Atomkraftwerks in Tihange. Betreiber Engie-Electrabel hatte im Januar angekündigt, die Sicherheitskultur zu verbessern, und das hatte auch
personelle Konsequenzen. Der Franzose Bainier ersetzt Johan Hollevoet, der seit 2012 für Tihange verantwortlich war. Damals waren die Risse in den Reaktordruckbehältern von Tihange 2 und Doel 3 entdeckt worden. Seitdem wächst die Sorge und regt sich der Protest in der Region, insbesondere gegen den nur 60 Kilometer Luftlinie von Aachen entfernten Meiler. Bainier ist seit 1983 in der Kernenergiebranche. Er verstehe die Sorgen der Menschen in der Grenzregion, betont er im Interview mit unserer Zeitung. Er sagt aber auch: Tihange ist sicher!
Herr Bainier, nerven die besorgten Deutschen Sie eigentlich?
Bainier: Genervt? Nein. Besorgt? Ja. In Frankreich habe ich vier Jahre das Kernkraftwerk Fessenheim geleitet. Ich kenne die deutschen Befindlichkeiten bezüglich der Kernenergie. Ich respektiere sie und nehme sie ernst, das ist Teil meiner Arbeit in der Kernenergie.
Im September müssen Sie der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC einen kompletten Report zu den letzten Ultraschalluntersuchungen des Reaktordruckbehälters von Tihange 2 vorlegen. Die Grünen fürchten, dass dann noch mehr Risse im Meiler festgestellt werden. Kann das passieren?
Bainier: Erlauben Sie mir, hier eines klarzustellen: Wir reden hier nicht von „Rissen“, das ist eine Wortwahl, die ich noch nie verstanden habe. Es handelt sich hier um Wasserstoffeinschlüsse, die schon seit der Produktion der Kessel da sind. Das haben wir seit der Entdeckung im Jahr 2012 bewiesen. Was wir heute vermeintlich neu entdecken, ist eigentlich nicht neu, sondern liegt an einer anderen Kameraposition. Bei vorherigen Untersuchungen lagen diese Wasserstoffeinschlüsse aber unter der Entdeckungsgrenze. Sie müssen sich vorstellen, dass die so dünn wie ein Haar sind. Sie sind seit Beginn da, werden bis zum Schluss da sein, ohne sich zu vergrößern.
Aber warum glauben denn die Grünen, dass die Risse größer werden könnten?
Bainier: Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht passieren wird, weil eines feststeht: Nationale und internationale unabhängige Experten haben Tihange 2 und Doel 3 nach einer mit den Sicherheitsbehörden festgelegten Untersuchungsmethode getestet und stützen die Ergebnisse unseres Sicherheitsdossiers, das wir der FANC präsentieren mussten, damit die beiden Meiler wieder ans Netz durften. Und ich kann Ihnen hier eines versichern: Unser Kraftwerk ist sicher, und es ist nicht nur sicher, sondern es ist eines der sichersten Kraftwerke europaweit, wenn nicht sogar weltweit.
Sie sagen ja, dass die neuen Risse auf eine andere Kameraposition zurückzuführen sind. Können Sie einem Laien erklären, warum Wasserstoffeinschlüsse verschwinden und wieder auftauchen in den Tests?
Bainier: Die tauchen nicht auf oder verschwinden. Sie sind lediglich auffällig oder nicht auffällig, abhängig von der Position der Kamera, die die
Untersuchung durchführt und die sich minimal verändern kann von einer Messung zur anderen. Wenn Sie zum Arzt gehen, zum Radiologen, sieht er gewisse Dinge. Beim nächsten Mal liegen Sie in einer anderen Position unter dem Röntgengerät, Sie machen dieselbe Untersuchung, aber das Bild kann etwas anders aussehen. Wenn wir einen „neuen“ Wasserstoffeinschluss aufnehmen, zählen wir ihn, um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen. Und die Flocken, die wir bei den Untersuchungen nicht mehr wahrnehmen, zählen wir trotzdem. Wir nehmen also eine sehr konservative Zählweise vor. Die verschwinden ja nicht einfach. Kleinste Details können das Ergebnis der Ultraschalluntersuchung verändern wie beispielsweise eine um nur ein Grad abweichende Wassertemperatur – denn die Messung findet im Wasser statt.
Wie sicher ist die Methode denn dann?
Bainier: Es handelt sich hier um die nach internationalen Erfahrungen beste Methode, die zu haben ist. Wir haben uns mit der FANC auf diese sichere Methode festgelegt, die wir weder ändern wollen noch können. Um beim Arztbeispiel zu bleiben: Man kann nicht an einem Tag ein Röntgenbild und am nächsten ein MRT machen und das gleichsetzen. Und noch mal: Die Wasserstoffeinschlüsse sind nicht gewachsen und diejenigen, die wir jetzt neu aufzeichnen, sind aufgrund der genannten Umstände bisher gesehen worden. Das wichtigste aber ist auch nicht die Zahl der Wasserstoffflocken, sondern die Größe. Denn wenn die Wasserstoffeinschlüsse nicht größer werden, belegt das unsere Annahme, dass sie bei der Produktion des Kessels entstanden sind. Gäbe es eine Veränderung der Größe, würde das alles infrage stellen, aber genau das passiert nicht.
Was wäre, wenn sich die Risse vergrößern?
Bainier: Dann würde die FANC uns das Wiederanfahren verbieten. Außerdem würden wir die Meiler nicht wieder anfahren, wenn es den geringsten Zweifel gäbe. 2014, als es unerwartete Ergebnisse gab, haben wir die Meiler direkt runtergefahren und uns selbst an die FANC gewendet. Aber wir haben gezeigt, dass Tihange sicher ist. Die besten Experten weltweit haben sich gekümmert und uns bestätigt, dass unser Kraftwerk absolut sicher ist.
Haben Sie seit Entdeckung der Risse Ihre Sicherheitsmaßnahmen gesteigert?
Bainier: Die Sicherheit ist bei der Nutzung von Kernenergie immer die zentrale Frage. Ich arbeite seit beinahe 25 Jahren in der Branche. Es wäre prätentiös zu sagen, so, jetzt haben wir alles getan und sind die Besten. Wer
überheblich ist, bekommt irgendwann die Quittung. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst und arbeiten ständig an weiteren Verbesserungen.
Noch ernster, seit 2012 die Risse entdeckt wurden?
Bainier: Es gibt ein technisches Thema, das Fragen aufwirft, und diese Fragen haben wir beantwortet, so, wie wir auch andere Fragen beantworten. Wir müssen die Sicherheit immer wieder neu hinterfragen, verbessern und in die Zentralen (die Kraftwerke, Anm. d. Red.) investieren. Das ist einer der Grundsätze in der Nuklearindustrie. Wenn man in dieser Industrie arbeitet und sich über Sicherheit keine Gedanken macht, muss man den Job wechseln.
Hat sich auch die Kontrolle der FANC geändert?
Bainier: Die Behörden in Europa haben insgesamt ihren Anspruch erhöht und erhöhen ihn immer wieder. Auch sie stehen unter dem Druck der öffentlichen Meinung.
Und wie sieht die Zukunft von Tihange aus?
Bainier: Engie-Electrabel hat eine bestimmte Vision der Zukunft, was die Stromproduktion in Belgien angeht. Bei der ganzen Diskussion über Atomkraftwerke vergisst man häufig, dass sie einen Nutzen haben, nämlich Strom zu produzieren. Unser heutiges Leben ist ohne Strom nicht möglich. Wenigstens darüber sind wir uns alle einig. Aber wie wir Strom produzieren – das ist die Frage. Dabei spielen auch das Klima und der CO2-Ausstoß eine wichtige Rolle. Die Belgier und die Politiker in Belgien müssen entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen. Wir sind der Meinung, dass die Nukleartechnologie, die kein CO2 emittiert, für die nächsten zehn bis 20 Jahre eine Übergangstechnologie darstellen kann, um erneuerbare Energien auszubauen, den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern zu beschleunigen. Aber das ist eine politische Entscheidung. In Deutschland hat man sich anders entschieden. Aber die Situation ist doch so, dass Deutschland an Tagen wie heute, an denen es wenig Wind gibt, mit Kohlestrom einen viel höheren CO2Ausstoß hat als Belgien. Ja, Belgien könnte raus aus der Kernenergie und woanders Strom kaufen, aber dann ist man abhängig von anderen Ländern, und wir kaufen den CO2-Ausstoß gleich mit. Wir benötigen Zeit für den Energiewechsel. Wir investieren deshalb in Tihange 1 und Doel 1, um Zeit dafür zu haben. Das halte ich für eine sehr vernünftige Strategie.
Für Tihange 1 haben Sie eine Laufzeitverlängerung. Streben Sie das auch für Tihange 2 an, wenn die Politik es erlaubt?
Bainier: Wir richten uns hier nach den Entscheidungen der Politik. Wir haben vier Reaktoren, Doel 3, Doel 4, Tihange 2 und Tihange 3, die gut genutzt
werden können. Diese heute in Belgien festgelegte Laufzeit von 40 Jahren, das war eine politische Entscheidung, keine technische. Nirgendwo steht geschrieben, dass AKW nur 40 Jahre funktionieren. AKW laufen üblicherweise 60 Jahre problemlos. In den USA denkt man sogar über eine Nutzung von 80 Jahren nach. Unsere Meiler sind sehr jung, und wir können unter Garantie voller Sicherheit Strom produzieren. Nicht nur wir, sondern auch die Behörden wachen darüber. Überhaupt ist unser Sektor der am besten überwachte Sektor. Wir haben ein Audit pro Woche in Tihange mit unabhängigen Inspektoren.
Und was halten Sie von der Idee, Strom über deutsch-belgische Stromtrassen auszutauschen?
Bainier: Es steht mir nicht an, hier einen Kommentar abzugeben. Wir müssen uns die Frage stellen, inwieweit wir uns bei unserer Energieversorgung unseres Landes abhängig machen wollen. Ausschließlich auf Konnektoren zu setzen, würde eine große Abhängigkeit schaffen und anfällig machen. Kommen wir noch mal auf den Tag heute zurück: Es ergibt für Belgien keinen Sinn, Strom aus Deutschland zu kaufen, anstatt unseren Atomstrom zu nutzen. Das CO2-Resultat wäre für Belgien schlechter als vorher. Ja, Deutschland hat Windkraft, aber in dieser Minute weht kein Wind, und somit gibt es keinen Ökostrom. Wenn ich mich jetzt in die belgische Regierung hineinversetze und an den Pariser Klimavertrag denke, dann wäre mit deutschem Strom das Ergebnis für Belgien schlechter.
Also bleibt Kernenergie für Sie am interessantesten?
Bainier: Nein, ein Mix aus allem, bei dem wir keine Technologie ausschließen dürfen. Engie-Electrabel ist der Hauptproduzent für alternative Energien in Belgien, wir setzen unter anderem auf Solarstrom. Bevor wir aber unsere Kernkraftwerke einfach abschalten, sollte man gut nachdenken. Über die Zukunftsstrategie für Belgien sollte schnell entschieden werden, damit man sie gut planen kann. Und das müssen auch die Bürger entscheiden an den Wahlurnen. In Deutschland würde man nie wieder ein AKW bauen, dafür ist die öffentliche Stimmung nicht bereit. Aber nehmen wir Fessenheim: Francois Hollande wollte es schließen, als er Präsident wurde, doch es ist immer noch da. Denn am Ende der Steckdose sind ein Föhn, ein Computer, ein Fernseher. Engie ist Produzent grüner Energie, daran glauben wir, aber heute reicht sie noch nicht. Unser oberstes Ziel ist es, vertrauenswürdig und sicher zu sein. Denn wenn wir nicht sicher sind, dann stoppen wir die Produktion. Das ist sicher.
Bei uns in der Region gibt es eine große Sorge.
Bainier: Wir nehmen das ernst und sind bereit, auf alle Fragen zu antworten Das ist eine Herausforderung für uns, und deshalb wollen wir noch transparenter werden. Ich will die Kritiker nicht überzeugen, ich bin kein Politiker, aber ich habe die Pflicht, transparent zu sein, und wir sind es. Das haben uns die Sicherheitsbehörden auch immer wieder bestätigt. Deshalb haben wir beispielsweise die Engie-Homepage auf Deutsch übersetzt. Die Menschen hier in der Gegend vertrauen uns, aber sie kennen uns auch. Hier arbeiten mehr als 1000 Menschen, die mit ihren Familien in der direkten Umgebung des Kraftwerkes wohnen. Gäbe es wirklich Probleme, lebten wir alle in einem Bunker. Es ist häufig so, dass Menschen, die 50 Kilometer weit weg leben, besorgter sind als die direkten Nachbarn. Und es ist ihr Recht, Angst zu haben. Ich bin bereit, mit den Organisatoren der Menschenkette zu sprechen. Die, die ich überzeugen muss von der Sicherheit, das sind zunächst die belgischen Sicherheitsbehörden und die Politiker in Belgien und dann die Belgier. Wir wollen dabei unsere Nachbarn nicht auslassen, man muss sich ihre Sorgen anhören. Ich finde es aber auch nicht richtig, dass Leute uns beschimpfen und Lügen über uns erzählen. Wir möchten mit einem offenen und konstruktiven Dialog sozusagen die Lücke schließen zwischen der Perzeption von einigen Leuten und der Realität hier vor Ort.
Was halten Sie von der Menschenkette?
Bainier: Es ist eine Möglichkeit, seine Besorgnis auszudrücken. Wir werden da sein. Hier werden aber auch Sicherheitskräfte sein, um das AKW zu schützen. Wir haben aber auch unsere Bereitschaft ausgedrückt, die Organisatoren zu treffen und mit ihnen zu sprechen. Wir sind zum Dialog bereit, danach kann jeder unsere Informationen interpretieren, wie er will, aber er hat dann zumindest objektive und belastbare Informationen.
„Und ich kann Ihnen hier eines versichern: Unser Kraftwerk ist sicher, und es ist nicht nur sicher, sondern es ist eines der sichersten Kraftwerke europaweit, wenn nicht sogar weltweit.“
Jean-Philippe Bainier
„Diese heute in Belgien festgelegte Laufzeit von 40 Jahren, das war eine politische Entscheidung, keine technische. Nirgendwo steht geschrieben, dass AKW nur 40 Jahre funktionieren. AKW laufen üblicherweise 60 Jahre problemlos. “
Jean-Philippe Bainier

Land verkauft Engie-Anleihen mit Gewinn
Der NRW-Pensionsfonds kann nun 14,9 Millionen in nachhaltige Kapitalanlagen investieren. Auch niederländische Pensionsfonds an Engie beteiligt.
VON ANGELA DELONGE
Düsseldorf/Brüssel. Beim Verkauf der umstrittenen Unternehmensanleihen an den französischen Energiekonzernen EDF und Engie aus dem NRWPensionsfonds hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Gewinn verbucht. Das teilte das Finanzministerium unserer Zeitung gestern auf Anfrage mit. Die jeweiligen Positionen seien durchweg mit Kursgewinnen gegenüber dem Einstandskurs veräußert worden, sagte eine Sprecherin. Die Papiere von Engie seien für einen Marktwert von 5,02 Millionen Euro, die von EDF für 9,89 Millionen Euro verkauft worden. Vor dem Verkauf am 13 Juni hatte der Wert der Anteile bei rund 13,3 Millionen Euro gelegen.
„Damit ist das Engagement des Landes in die französischen Energiekonzerne und damit in die belgischen Pannen-Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 beendet”, so die Sprecherin. Die durch die Verkäufe freigewordenen Mittel würden Teil der anstehenden Neuanlage, die nach den seit 1. Juni geltenden nachhaltigen Kriterien vorgenommen würden.
Unterdessen wurde bekannt, dass die vier größten niederländischen Pensionsfonds ebenfalls beim französischen Energiekonzern Engie und dessen belgischer Tochter Electrabel investiert sind. Laut dem belgischen Rundfunksender RTBF beträgt das Engagement fast 250 Millionen Euro. Die Fondsbetreiber würden die Investitionen mit dem grünen Engagement des französischen Konzerns rechtfertigen, heißt es. Tatsächlich ist EngieElectrabel größter Produzent von Ökostrom in Belgien. Es gebe jedoch auch Stimmen, die die Investitionen für „unerwünscht“ halten, da eine Mehrheit des niederländischen Parlaments die Schließung der belgischen PannenReaktoren Tihange 2 und Doel 3 favorisiere, heißt es im Bericht von RTBF.
Die umstrittenen Wertpapiere aus dem NRW-Pensionsfonds hatten 0,14 Prozent an dem insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro schweren Fonds ausgemacht und waren zwischen 2012 und 2014 gekauft worden. Die finanzielle Beteiligung NRWs an den Pannen-Meilern war nach Bekanntwerden Ende Mai auf scharfe Kritik in der Städteregion Aachen und bei der designierten Landesregierung gestoßen.
Nägel mit Köpfen
Nachdem die Chefs der neu gewählten schwarz-gelben Koalition, Armin Laschet (CDU) und Christian Lindner (FDP) den sofortigen Verkauf der Wertpapiere angekündigt hatten, hatte Finanzminister Norbert WalterBorjans (SPD) Nägel mit Köpfen gemacht und die Wertpapiere verkauft. In einem offenen Brief Ende Mai hatte Walter-Borjans dazu erklärt: „Ich lasse nicht den Vorwurf auf mir sitzen, die politische Verantwortung für eine vertretbare Anlage der Pensionsfondsmittel nicht ernst zu nehmen.“ WalterBorjans hatte beteuert, dass ihm die Kapitalanlage zuvor nicht bekannt gewesen sei und die Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass die EngieAktie derzeit von Analysten zum Kauf im Bereich der erneuerbaren Energien empfohlen werde.

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