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St. Vith_Viele Holzstege im Venn sind marode

Di, 20. Jan. 2015
Dürener Nachrichten / Region AN Titel / Seite 9

Viele Holzstege im Venn sind marode

venn

Die einzigartigen Wanderwege im deutsch-belgischen Naturreservat sind die Sorgenkinder der Forstämter. Kein Geld für Sanierung.

Von angela Delonge

St. Vith. Verrottete Holzstege im Naturschutzgebiet Hohen Venn sind die Sorgenkinder der Forstämter von Elsenborn und Malmedy. Immer wieder beklagen Wanderer den teilweise äußerst schlechten Zustand des einzigartigen Wanderwegesystems in dem deutsch-belgischen Hochmoor, das über weite Strecken auf Holzstegen gebaut ist. Viele dieser Stege sind kaum noch begehbar, und immer häufiger müssen nasse Füße bei einer Wanderung durchs Hohe Venn in Kauf genommen werden.

„Gummistiefel werden in Zukunft wohl wieder häufiger zur Ausrüstung von Vennwanderern gehören“, sagt René Dahmen vom Forstamt Elsenborn. Wie früher. Denn es ist einfach nicht genug Geld da, um alle Stege zu reparieren. 24 Kilometer Holzstege führen durch das Hohe Venn. Angelegt vor rund 30 Jahren und dann – in Zeiten voller Kassen – noch einmal kräftig ausgebaut. Doch die Sanierung eines einzigen Meters Holzsteg verschlingt heute schon 80 bis 100 Euro.

Da ist der Topf, mit dem die Wallonische Regierung die Holzstege unterhält, schnell leer: 50 000 Euro pro Jahr reichen gerade mal für einen halben Kilometer Holzsteg. Der wiederum eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren hat. Kostentreiber ist dabei weniger das Holz als der Arbeitsaufwand. Dahmen wundert sich über Gerüchte, es werde teures Eichenholz im Hohen Venn verbaut. „Hier liegt kein einziger Meter Eichenholz“, sagt er. Alles Lärche.

Den größten Schaden im Hohen Venn hatte – auch finanziell – der Großbrand vom 25. April 2011 angerichtet. Kilometerlange nagelneue Holzstege rund um Baraque Michel hatte das Feuer vernichtet; sie waren genau eine Woche zuvor fertiggestellt worden. Seit dem Brand konnten dort inzwischen wieder sechs Kilometer Holzstege erneuert werden.

Die Forstämter von Elsenborn und Malmedy, in deren Zuständigkeit das Naturreservat fällt, haben aus der Geldnot Konsequenzen gezogen: Holzstege in weiter entfernten und weniger besuchten Venngebieten, wie zum Beispiel dem Kutenhart-Venn, werden nicht mehr ersetzt.

Das Stegesystem wird nur dort weiter unterhalten, wo regelmäßig großer Andrang von Wanderern herrscht, wie zum Beispiel in Botrange oder im Brackvenn bei Mützenich. Auch dort, wo der Untergrund besonders nass ist, sollen vereinzelt Holzstege erhalten werden, sagt René Dahmen. Ansonsten regiert im Venn das Prinzip Gummistiefel, im vergangenen Jahr mehr denn je. „2014 war ein sehr nasses Jahr“, sagt Dahmen. Auch das setzt den Holzstegen zu.

Es sollen aber auch Wege auf trockene Stellen umgeleitet, die Grasnarbe durch stärkeren Beschnitt verdichtet werden, so dass man in Zukunft noch trockenen Fußes durch das Hohe Venn wandern kann. Auch Überlegungen, Eintrittsgelder für das Naturreservat zu erheben, kursieren.

Letzteres weist Sandra De Taeye allerdings weit von sich. Die Direktorin der Tourismusagentur Ostbelgien will nicht daran rütteln, dass das Hohe Venn für alle frei zugänglich bleibt. „Allerdings“, so sagt sie, „müssen wir uns der Tatsache stellen, dass wir es hier mit hohen Kosten zu tun haben.“

Deshalb fordert sie ein „konkretes Finanzierungskonzept“, für das „alle Akteure, die davon profitieren, an einen Tisch müssen“, kurz: einen Entwicklungsplan für das Hohe Venn. Die wallonische Region werde zukünftig wohl kaum allein in dieses Naturreservat, dessen Fläche zu fast 90 Prozent auf belgischem Staatsgebiet liegt, investieren wollen, meint sie.

Viele Mitspieler, wenig Lösungen

Dass sich eine solche Zusammenarbeit schwierig gestalten könnte, zeigt aber schon die Vielzahl der „Mitspieler“ beidseits der Grenze: diverse Tourismusorganisationen, diverse Naturparkvereine, Naturparkzentren, der Nationalpark, Landesregierungen, Kommunen, die Provinz Lüttich – alle schreiben sich das einzigartige Naturreservat gerne auf die Fahne. Aber bislang hat das Hohe Venn noch nicht einmal eine eigene Homepage.

„Gummistiefel werden in Zukunft wieder häufiger zur Ausrüstung von Vennwanderern gehören.“

rené dahmen,
forstamtsleiter elsenborn

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