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RWE setzt auf einen Neustart

Das Führungspersonal des Energieriesen rund um Peter Terium steht. Der Konzern muss aber aufpassen, dass er beim Start in die Energiezukunft nicht seine kommunalen Eigner vergrätzt.
Von Rolf Schraa
Essen. Der von der Energiewende gebeutelte RWE-Konzern hat einen wichtigen Schritt zum Neustart getan: Der Aufsichtsrat bestätigte am Donnerstag die Vorstands-Teams für die geplante Aufspaltung des Großversorgers in „alte“ und „neue“ Energie.
Das Tableau ist dabei ganz auf den bisherigen RWE-Chef Peter Terium zugeschnitten. Er wird erst die komplizierte Trennung des Stromriesen mit 60 000 Beschäftigten über die Bühne bringen. Dann konzentriert er sich voraussichtlich ab Ende 2016 nur noch auf die Führung der Zukunftsgesellschaft „NewCo“. Zugleich segnete der Aufsichtsrat die umstrittene Dividendenkappung ab – ein Plan, der noch für erheblichen Ärger mit den bei RWE einflussreichen Kommunen sorgen könnte.
Mit dem Chef an der Spitze will RWE bei den erneuerbaren Energien Wind, Wasser und möglicherweise später auch Photovoltaik deutlich zulegen. Bisher kann das Unternehmen bei einem Öko-Investitionsbudget von nur einer Milliarde Euro für die drei Jahre 2015 bis 2017 zusammen mit Konkurrenten wie Eon nicht mithalten. Der Etat soll wohl aufgestockt werden, sobald der „NewCo“-Börsengang neue Millionen in die Kasse bringt. Der gelernte Controller Terium wird damit unversehens zu einem der wichtigsten Ökostrom-Manager Deutschlands.
Anlegervertreter sehen den Schritt positiv. „RWE hat eine neue Tür geöffnet, die bisher verschlossen war“, sagt etwa Marc Tüngler von der Aktionärsvereinigung DSW. Denn bisher fürchteten Aktionäre bei Investments in RWE, mit ihrem Geld den teuren Kohleausstieg oder die unkalkulierbaren Altlasten der Atomkraft mitzufinanzieren. Das sei nun anders. Umweltschützer werfen dem Konzern dagegen schon lange vor, die Energiewende verschlafen zu haben. „Das grüne Töchterlein kommt Jahre zu spät für die Energiewende“, kritisiert Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl.
Auch die Streichung der Dividende ist ein harter Schritt, der die Probleme des Unternehmens zeigt. RWE musste noch vor 14 Tagen eine Abschreibung von mehr als zwei Milliarden Euro auf das Kraftwerksgeschäft melden und wird bei der Jahresbilanz kommende Woche einen Nettoverlust von 200 Millionen Euro ausweisen. Da die Börsenstrompreise weiter fallen, ist Besserung nicht in Sicht.
Bei den kommunalen RWE-Aktionären hatte es gegen die Pläne zur Dividendenkappung heftige Proteste gegeben. Die Kommunen haben die Millioneneinnahmen aus ihren RWE-Aktien in ihre Haushalte längst eingeplant. Die Stadt Essen muss beispielsweise rund 18 Millionen Euro kurzfristig abschreiben und sinniert schon öffentlich über Steuererhöhungen.
Gestern stimmte zwar keiner der vier Aktionärsvertreter gegen die Kappung. Der Zorn der Kommunen dürfte sich bei der Hauptversammlung am 20. April, die endgültig über die Dividende entscheidet, aber noch einmal kräftig entladen. Teile der Kommunalaktionäre hatten in Treffen vor der Aufsichtsratssitzung sogar für die Nicht-Entlastung des Vorstands und Teriums plädiert.
Das RWE-Geschäft ist auf vielfache Art mit den Kommunen vor allem in NRW und ihren Stadtwerken verflochten. Allein 200 Konzessionsverträge für die Durchleitung von Strom laufen – und müssen regelmäßig neu verhandelt werden. Eine Vertrauenskrise mit den Kommunen wäre für RWE brandgefährlich, warnt ein führender Vertreter aus ihren Reihen.
Die starken Männer beim Energieriesen
RWE-Chef Peter Terium übernimmt die Leitung der neuen Tochtergesellschaft des Energieriesen, in der künftig das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb gebündelt wird. Bis zum Börsengang der noch namenlosen Konzerntochter werde Terium in Personalunion auch Chef der RWE AG bleiben, teilte der Konzern gestern in Essen mit.
Rolf Martin Schmitz soll ihm danach als Vorstandsvorsitzender der RWE AG nachfolgen. Die RWE AG soll künftig das Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung und den Energiehandel umfassen. Schmitz soll ihr Vorstandsvorsitzender bis Ende Juni 2021 bleiben. Dies seien anderthalb Jahre länger als geplant, teilte das Unternehmen nach der Aufsichtsratssitzung mit. (afp)

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