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Millionen für Pumpspeicherkraftwerke

Die Landesregierung beschließt eine Förderung für die umstrittene Technik. Doch was bedeutet das für den Standort Rursee?
Von Marlon Gego
und René Benden
Düren/Düsseldorf. Als Reiner Priggen am 21. Juni 2013 die Nachricht erreichte, dass Trianel das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee nicht bauen würde, war das für ihn eine schwere Niederlage. Bis dahin hatte es gar nicht schlecht für das wegweisende Projekt ausgesehen, der Investor Trianel war zuversichtlich, das Pumpspeicherkraftwerk wirtschaftlich betreiben zu können, Regierung und Opposition waren gleichermaßen vom Nutzen des Projekts überzeugt. Die kleine Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ war zwar hartnäckig gegen den Bau, aber wenn jemand politischen Gegenwind gewohnt ist, dann wohl Priggen. Die schlechte Nachricht kam an diesem 21. Juni 2013 völlig überraschend: doch kein Pumpspeicherkraftwerk am Rursee. Keine 700-Millionen-Euro-Investition in der strukturschwachen Nordeifel und vor allem kein nordrhein-westfälischer Beitrag zur Energiewende, denn als solchen sieht Priggen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, die Pumpspeicherkraftwerke noch immer.
Ein Jahr danach
Ein knappes Jahr später, Ende Mai 2014, kam nun die Reaktion auf die politische Niederlage am Rursee: Die Grünen beantragten im Landtag, dass der nordrhein-westfälische Steuerzahler für künftige Planungsvorbereitungen von Pumpspeicherkraftwerken im Land mit 50 Millionen Euro haften soll. Am 5. Juni stimmte der Landtag dem Antrag zu. Gegner der Pumpspeicherkraftwerke wie etwa Christoph Pranter von der Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ sehen in dieser Initiative „Lobby¬ismus für die Interessen von Großkonzernen“ – und die mögliche Wiederaufnahme der Planungen am Rursee begünstigt.
Reiner Priggen wies diese Vorwürfe gestern auf Anfrage unserer Zeitung zurück. „Wir brauchen einfach eine gewisse Menge an Pumpspeicherkraftwerken in Nordrhein-Westfalen“, sagte Priggen. Die Entwicklung und Nutzung neuer Speichertechnologien sei von zentraler umweltpolitischer Bedeutung. Pumpspeicherkraftwerke stellten „sicher noch nicht das Ende des technisch Machbaren“ dar, sagte Priggen, dennoch könnten sie einen „unverzichtbaren Beitrag zur Energiewende leisten“.
Dem gegenüber stehen diverse Meldungen, denenzufolge verschiedene deutsche Pumpspeicherkraftwerke entweder nicht gebaut oder nicht weiterbetrieben werden sollen, etwa das in Rönkhausen im Sauerland. Der Betreiber beantragte vergangenen Herbst die Stilllegung. In Thüringen schwindet der politische Rückhalt für das 1,4 Milliarden teure Pumpspeicherkraftwerk, das Trianel dort bauen will. Ob es unter den sich ändernden Vorzeichen dennoch gebaut werden kann, steht im Moment nicht fest.
Dazu kommt eine Studie, an der unter anderem das Fraunhofer-Instituts Kassel und die RWTH Aachen beteiligt waren, sie heißt „Roadmap Speicher“. In dieser Studie heißt es unter anderem, „eine Förderung für Speicher“ wie sie die nordrhein-westfälische Landesregierung vorsieht böte sich für Stromspeicher nicht an, also auch nicht für Pumpspeicherkraftwerke. Ein Speichergesetz „wird im jetzigen Stadium nicht empfohlen“.
„Wesentlicher Beitrag“
Priggen verwies gestern allerdings darauf, dass dasselbe RWTH-Institut, das an der Erstellung der „Roadmap Speicher“ beteiligt war, in einer anderen Studie äußerte: „Künftig werden die erneuerbaren Energien die tragende Säule der Stromerzeugung in Deutschland sein. (…) Darüber hinaus muss zukünftig auch in Zeiten einer geringen Erzeugung aus erneuerbaren Quellen die Versorgungssicherheit gewährleistet sein. Pumpspeicherkraftwerke können einen wesentlichen Beitrag zur Lösung beider Herausforderungen liefern.“
Zwar betrachtet Priggen die Förderung von Pumpspeicherkraftwerken als zukunftsweisende Entscheidung. Dennoch stellt er klar, dass die Pläne für ein Kraftwerk am Rursee endgültig beendet seien. „Das Projekt am Rursee ist tot“, sagt Priggen. Und der Stadtwerkeverbund Trianel, der seine Pläne am Rursee im Juni 2013 für beendet erklärt hatte, bekräftigte gestern: „Wir beabsichtigen nicht, unsere damaligen Planungen am Rursee wieder aufzugreifen.“
Pumpspeicherkraftwerk:
Was ist das?
Ein Pumpspeicherkraftwerk, auch Pumpspeicherwerk genannt, dient der Speicherung von Energie. Wasser wird in den Momenten, in denen Energie aus Sonne und Wind zur Verfügung steht, in einen Speichersee hinaufgepumpt. Dieses Wasser lässt man später wieder bergab fließen und erzeugt dabei mittels Turbinen und Generatoren wieder elektrischen Strom. Pumpspeicherkraftwerke stellen gegenwärtig die technisch einzige Möglichkeit dar, großtechnisch elektrisch Energie unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu speichern.
„Das Projekt am Rursee ist tot.“
Reiner Priggen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im NRW-Landtag

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