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Legionellen-Quelle in Weisweiler?

Die fieberhafte Suche nach dem Ursprung der gefährlichen Keime geht weiter. Nun haben Experten auch im Kühlwasser des Kraftwerks Kolonien entdeckt. Der Wind könnte sie von dort aus verbreitet haben.
Von Volker Uerlings
Jülich. Das Landesumweltamt und die Gesundheitsbehörden beim Kreis Düren haben eine weitere mögliche Quelle der Legionellose-Erkrankungen in Jülich ausgemacht. Im Rahmen der zahlreichen Proben, die genommen worden sind, wurden gestern weitere ungewöhnlich hohe Werte bekannt: Im Kraftwerk Weisweiler sind nach Mitteilung des Kreises Düren erhebliche Überschreitungen des Legionellen-Richtwertes festgestellt worden – hier genau im Kühlwasser von Block H. Ende letzter Woche gab es erhöhte Werte in einem Kühlwerk des Forschungszentrums Jülich.
Von Anfang an auf der Rechnung
Sichere Nachweise, welcher Infektionsherd genau die Welle von schweren Lungenentzündungen hervorgerufen hat, stehen aus. Dazu muss der genetische Fingerabdruck verglichen werden. „Das Kraftwerk hatten wir von Anfang an auf der Rechnung“, sagte Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Düren, unserer Zeitung. Dort wurden gleich nach Bekanntwerden des Legionellen-Ausbruchs Proben genommen, deren Ergebnisse nun vorliegen. Im Kühlwasser von Block H wurden 61 500 Legionellen-Kolonien pro 100 Milliliter gefunden – bei einem Richtwert von 1000 pro 100 Milliliter. „Wir müssen vorsichtig sein. Wir haben noch keine Klarheit“, relativiert der Leiter des Gesundheitsamtes. Allerdings ließen Windsimulationen, die parallel angestellt worden sind, den Rückschluss zu, dass über den Ausstoß aus den belasteten Blöcken die Krankheitswelle in Jülich erklärt werden könnte. Außerdem stehe fest, dass die im Kraftwerk gefunden Legionellen-Konz entrationen „in dieser Menge da sicher nicht hingehören“, sagte Schnitzler weiter.
Die Legionellen-Konzentration im Kühlwasser von Block F liege bei 7500 Kolonien pro 100 ml, der in einem Ablauf des Kraftwerks bei 4000. Den Spitzenwert gab es aber im Kühlwasser von Block H. Das Landesumwelt- ministerium hat angewiesen, dass die Bezirksregierung Köln mit Kraftwerks- betreiber RWE Maßnahmen ergreifen soll, „um die Belastung zu reduzieren“. Wie das aussehen könnte, war gestern unklar.
Das Düsseldorfer Umweltministerium hat als weitere Reaktion auf die neuen Ergebnisse Vertreterinnen und Vertreter der Kreise, der Bezirksregierung Köln, der Universität Bonn, des Landesumweltamtes (LANUV), des Landeszentrum Gesundheit (LZG) sowie des Kraftwerksbetreibers für morgen eingeladen, um weitere Maßnahmen abzustimmen, wie der Kreis Düren mitteilt.
Inzwischen gibt es 30 bestätigte Legionellenbedingte Lungenentzündungen innerhalb der Stadt Jülich. Die Zahl hat sich erneut erhöht, weil Laborergebnisse fast aller Patienten vorliegen, die von Mitte August bis Anfang September erkrankt sind. „Die Altfälle sind jetzt weitgehend abgearbeitet. Und neue Erkrankungen gibt es bislang nicht“, sagte Schnitzler. Insofern scheint die Welle tatsächlich abgeebbt, da der letzte Patient mit einer nachgewiesenen Lungenentzündung durch Legionellen am 15. September erkrankte. Wie der Kreis Düren weiter mitteilt, wurden hohe Legionellen-Konzentrationen nun auch in Rückkühlwerken eines metallverarbeitenden sowie eines kunststoffverarbeitenden Betriebes in Jülich gefunden, die abgeschaltet wurden.
Ob die Welle durch das am Freitag abgeschaltete Kühlwerk im Forschungszentrum ausgelöst worden ist, könnte im Laufe der Woche feststehen, da Proben der hier gefundenen Legionellen seit Tagen vorliegen und in einem Speziallabor in Dresden untersucht werden. Bei den weiteren Quellen dürfte der Nachweis noch länger dauern.
„Wir müssen vorsichtig sein. Wir haben noch keine Klarheit.“
Norbert Schnitzler,
Leiter Kreisgesundheitsamt Düren

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