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Kraftwerke werden geprüft
Jülich meldet neuen Legionellen-Fall
Bei Fieber zum Arzt

Jülich/Düsseldorf. Alle Kraftwerke und deren Kühltürme in NRW werden nach dem Legionellen-Ausbruch in Jülich auf eine Belastung mit dem gefährlichen Erreger hin untersucht. Das hat Umweltstaatssekretär Peter Knietsch (Grüne) nach einem Expertengespräch in Düsseldorf angekündigt.
Derweil meldete der Kreis Düren einen neuen Fall der durch Legionellen bedingten Lungenentzündung. Wieder ist ein älterer Mensch aus Jülich betroffen, der aber rechtzeitig behandelt werden konnte, wie unsere Zeitung beim Kreisgesundheitsamt erfahren hat. Ob einer der beiden möglichen Verursacher – ein Rückkühlwerk des Forschungszentrums Jülich oder das Kraftwerk Weisweiler – die Krankheitswelle und auch den aktuellen Fall ausgelöst haben, ist unklar. (red)  ▶ Region & NRW
Legionellen-Quelle war vor zwei Wochen noch aktiv
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Von Wilfried Goebels
und Volker Uerlings

Düsseldorf/Jülich/Eschweiler. Der Kreis Düren hat einen neuen Fall der durch Legionellen bedingten Lungenentzündung gemeldet. Wieder ist ein älterer Mensch aus Jülich betroffen, der aber rechtzeitig behandelt werden konnte und dem es den Umständen entsprechend gut gehe, wie unsere Zeitung beim Dürener Kreisgesundheitsamt erfahren hat.
Bei Fieber zum Arzt
Erkrankungsbeginn war nach Angaben der Behörde der 24. September. Das ist somit der aktuell letzte nachgewiesene Erkrankungsbeginn (bisher 15. September). Bei einer Inkubationszeit von zwei bis 20 Tagen liegt der Ansteckungszeitpunkt höchstwahrscheinlich vor dem 18. September. Das ist von Bedeutung, da an diesem Tag die Suche der Quelle und die Maßnahmen zur Eindämmung des Ausbruchs erst begonnen haben. Insofern zeige dieser „neuerliche Fall lediglich, dass die mutmaßliche Quelle zu diesem Zeitpunkt noch aktiv war“, heißt es in einer Mitteilung des Landesumweltministeriums.
Da zwischenzeitlich alle bekannten und in Frage kommenden potenziellen Quellen untersucht und im Zweifelsfall ausgeschaltet worden seien, erlaube dieser 31. Fall laut Kreis Düren keine Aussagen zur aktuellen Ansteckungsgefahr über die Luftwege in Jülich. Das Gesundheitsamt weist aber darauf hin, dass bei Fieber ein Arzt aufgesucht werden sollte, solange eine Ansteckungsgefahr nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Bei frühzeitiger adäquater Behandlung sei eine Lungenentzündung mit Legionellen sehr gut zu beherrschen.
Ob einer der beiden möglichen Verursacher – ein Rückkühlwerk des Forschungszentrums Jülich oder das Kraftwerk Weisweiler – die Krankheitswelle und den aktuellen Fall ausgelöst haben, ist unklar. Erst kommende Woche erwarten die involvierten Behörden weitere Ergebnisse von Untersuchungen eines Speziallabors in Dresden. Das belastete Kühlwerk im Forschungszentrum wurde am 26. September abgeschaltet, Block F des Kraftwerks Weisweiler am 30. September.
Rund 100 Proben
Alle Kraftwerke und deren Kühltürme in Nordrhein-Westfalen werden nach dem Legionellen-Ausbruch in Jülich auf eine Belastung mit dem gefährlichen Erreger untersucht. Diese Reaktion hat Umweltstaatssekretär Peter Knitsch (Grüne) nach einem Expertengespräch mit Vertretern aus Ministerium, Kreisen und Kraftwerksbetreibern in Düsseldorf angekündigt. Im Kühlwasser des von RWE betriebenen Braunkohlekraftwerks Weisweiler waren ungewöhnlich hohe Legionellen-Werte festgestellt worden. So wurden etwa im Kühlwasser des nun abgeschalteten Blocks 61 500 Legionellen-Kolonien pro 100 Milliliter gefunden. Zum Vergleich: Der Richtwert für Rückkühlwerke liegt bei 1000 Kolonien pro 100 Milliliter. Wie unsere Zeitung weiter erfuhr, muss der Block im Kraftwerk Weisweiler desinfiziert werden. Er soll nur in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden wieder angefahren werden.
Nach dem Verursacher der Erkrankungen wird weiter mit Hochdruck gesucht. In den vergangenen Tagen hatten die Behörden rund 100 Proben genommen, um weitere Legionellen-Belastungen in Anlagen oder Gewässern zu entdecken. Die Ergebnisse der Proben sollen Mitte kommender Woche vorliegen. Inzwischen sind nach Angaben des Leiters des zuständigen Dürener Kreisgesundheitsamtes, Norbert Schnitzler, alle relevanten Rückkühlanlagen in Jülich erfasst.
Bestätigt wurde vom NRW-Umweltministerium, dass bei drei Erkrankten, bei denen eine Probe entnommen werden konnte, der Legionellen-Typ „Serotyp 5“ nachgewiesen worden sei. Die Laborergebnisse einer vierten Patientenprobe liegen noch nicht vor, wie Gesundheitsamtsleiter Schnitzler auf Anfrage unserer Zeitung erklärte.
Eine wichtige Erkenntnis
Das ist eine wichtige Erkenntnis, weil der Nachweis einer möglichen Quelle der Legionellose durch drei identische Ergebnisse sicherer wird. Wenn sich in den Proben aus dem Forschungszentrum, aus dem Kraftwerk oder anderen Fundorten ebenfalls Legionellen dieses Serotyps nachweisen lassen, ist die Quelle mit hoher Wahrscheinlichkeit zu bestimmen und auszuschalten.

Kühlwerke abgeschaltet
Industrielle Anlagen technisch nicht optimal…
Jülich/Aldenhoven. Im Rahmen der Suche nach der Quelle der Legionellose-Erkrankungen in Jülich wurden auch zwei industrielle Rückkühlwerke abgeschaltet. Das geschah aus technischen Gründen, da sich die Anlagen „nicht in einem optimalen Zustand befunden haben“, wie Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Norbert Schnitzler informierte. Die Kühlanlagen in Aldenhoven und Jülich kommen nach Analysen nicht als Krankheitsquelle in Betracht, so Schnitzler. Eine Anlage sei frei von den Erregern gewesen, die andere habe die Legionellen-Richtwerte weit unterschritten. (-vpu-)

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