Freie und unabhängige Wählergemeinschaften in Aldenhoven, Inden, Jülich, Linnich, Merzenich, Titz, Vettweiß und Piratenpartei

Kommunen laufen gegen RWE Sturm

Die Aufsichtsratssitzung wird kein Spaß für Konzernchef Peter Terium.
Es hagelt Kritik, weil die Dividende auf Stammaktien ausfällt.
Von Rolf Schraa und Claudia Schweda
Essen. RWE-Chef Peter Terium muss sich warm anziehen. Wenn er heute im Aufsichtsrat seinen erbosten kommunalen Aktionärsvertretern erklärt, wieso der Energieriese schon wieder Milliarden abschreibt und in diesem Jahr die Dividende auf Stammaktien komplett ausfallen soll, wird mit kräftigen Worten gerechnet. Die überraschende Ankündigung des Vorstands von Mitte Februar hatte unter den öffentlichen Aktionären, die fast ein Viertel der Anteile halten, zu teils wütenden Reaktionen geführt – vor allem, weil der Schritt offenbar vorab kaum oder gar nicht abgestimmt war.
RWE leidet – wie die ganze Branche – unter den abgestürzten Gewinnen durch den Erneuerbare-Energien-Boom. Und in zahlreichen Städten sind die Dividendeneinnahmen aus den RWE-Aktien längst in die knappen Kommunalhaushalte einkalkuliert.
„Unverschämtheit – das muss er uns sehr genau erklären“, hieß es aus einer der Kommunen. „Viele Mitglieder sind sehr verärgert“, sagte Ernst Gerlach, der Geschäftsführer des Verbandes der kommunalen Anleger (VKA). Alle vier Kommunalaufseher werden wohl gegen den Dividendenschnitt stimmen, meint ein Insider. „Wir werden versuchen, die vom Vorstand getroffene Entscheidung zu verändern“, sagt Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, der an einer der vorbereitenden RWE-Regionalbeiratssitzungen teilgenommen hat. „Aber wir müssen realistisch sein“, schränkt er ein. Denn auch er weiß: Ändern wird der Zorn der kommunalen Vertreter wenig: Das Gremium umfasst 20 Mitglieder – erwartet wird, dass Teriums Mehrheit mit Unterstützung der Arbeitnehmerseite steht. Vom Unternehmen gibt es auf Nachfrage im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung keine Stellungnahme.
Die Sitzung dokumentiert ohnehin eine Niederlage der Kommunalvertreter im Machtpoker bei Deutschlands zweitgrößtem Versorger. Als Nachfolger für den ausscheidenden Aufsichtsratschef Manfred Schneider hatten sie 2015 versucht, den in der Region bestens vernetzten Ex-Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ins Amt zu bringen. Nun wird am 3. März wohl der frühere SAP-Finanzchef Werner Brandt ins Amt gewählt – ein angesehener Manager, der aber schon vom beruflichen Werdegang dem Controller Terium näher stehen dürfte als ein Mann wie Müller.
Das Verhältnis zwischen den Kommunen und Terium ist angespannt, vielleicht überspannt. „Das war ein Schritt zu viel“, sagte ein führender Kommunal-Manager nach der Dividendenmitteilung.
Schon vorher fühlten sich die Kommunen mehrfach nicht mitgenommen – zuletzt, als im Januar der erfolgreiche Deutschland-Chef Arndt Neuhaus ging, weil er in der künftigen Struktur mit einer großen Zukunftsgesellschaft für erneuerbare Energien keine passende Position mehr bekommen sollte. Kritiker sagen, damit habe Konzernchef Terium sich einen Konkurrenten vom Hals schaffen wollen.
Die Kommunalvertreter beraten über Möglichkeiten zum Widerstand. Dabei steht mangels Mehrheit weniger die Aufsichtsratssitzung heute im Mittelpunkt. Aber bei der Hauptversammlung am 20. April könnten geschlossen auftretende Kommunen vor allem bei schlechter Beteiligung anderer Aktionäre Peter Terium bei der Entlastung empfindlich abstrafen, heißt es.
Außerdem seien die nordrhein-westfälischen Kommunen nicht nur Anteilseigner, sondern auch Vertragspartner von RWE. Die Konzessionsverträge für die Durchleitung von Strom durch Kommunalgebiet müssen regelmäßig erneuert werden. Etliche Vertragsverhandlungen stünden bevor. „Da können wir uns überlegen, ob RWE noch der richtige Partner ist“, sagt ein Kommunalmanager.
„Wir haben nicht jeglichen Einfluss bei RWE verloren“, sagt auch der Eschweiler Bürgermeister Bertram. Nach seinen Angaben wollen die Kommunen vom Konzernleiter einen Masterplan einfordern, wie er die schwierige Situation des Unternehmens bewältigen will. „Wir wollen eine Richtung sehen“, sagt Bertram. Und dabei ginge es nicht nur ums Geld für die kommunalen Haushalte. „Vor Ort hängen viele Arbeitsplätze und die Entwicklung unserer gesamten Region davon ab.“
„Wir werden versuchen, die vom Vorstand getroffene Entscheidung zu verändern.“
Rudi Bertram,
Bürgermeister in Eschweiler

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *