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Jülich_Land investiert fünf Millionen am Camp

Umfangreiche Baumaßnahmen, die kurzfristig der Notunterkunft Merscher Höhe dienen und langfristig dem Gewerbegebiet
Von Volker Uerlings
Jülich. Über viele Jahre, sogar Jahrzehnte lagen weite Teile der Merscher Höhe buchstäblich brach. Diese Zeiten sind vorbei. Wer sich nun der früheren Sendehalle nähert, in deren Vorfeld die Flüchtlingsnotunterkunft des Landes errichtet worden ist, sieht eine aufgewühlte Landschaft. Bagger und schwere Baumaschinen haben vom Von-Schöfer-Ring aus eine Trasse gezogen. Kanal-Fertigteile, Kabel und Kunststoffrohre prägen das Bild. All das hat in gewisser Weise mit dem Flüchtlingscamp zu tun, langfristig aber nicht. Hier werden aktuell Abwasserleitungen für die Zeltstadt geschaffen, die zugleich langfristig die Versorgungsadern des Gewerbegebietes Campus Merscher Höhe bilden.
Die Kosten hierfür übernimmt das Land, weil sie ja auch ad hoc durch die Schaffung einer Landeseinrichtung entstehen. Bislang verursacht die Abwasserentsorgung des Camps mit gut 200 Bewohnern vor allem teuren Aufwand: Täglich werden die provisorischen Becken leergepumpt. Das geht so lange, bis der Kanalanschluss funktioniert. Dann läuft‘s buchstäblich von allein.
Wie Tiefbauamtsleiter Robert Helgers informiert, ist die Leitung zur Entwässerung des Camps gut 700 Meter lang. „Zusätzlich wurden eine Druckleitung von etwa 900 Metern und das zugehörige Pumpwerk gebaut“, sagt Helgers. Um nun das Camp und langfristig das Gewerbegebiet anzubinden, wurde die Druckleitung auch in den Untergrund des Radwegs am Von-Schöfer-Ring gelegt, der dazu geöffnet werden musste. Hier haben dann die Stadtwerke Jülich laut Tiefbauamt gleich Gasleitungen und Stromkabel verlegt.
Die genauen Kosten hierfür lassen sich noch nicht beziffern. Die Bezirksregierung Köln hat aber auf Anfrage unserer Redaktion eine Gesamtsumme genannt, mit der sie kalkuliert: 5 Millionen Euro Herrichtungskosten für die Unterkunft inklusive aller Arbeiten. „Dies ist bei Projekten dieser Größenordnung ein üblicher Kostenrahmen“, sagte Freia Johannsen von der Pressestelle des RP. Der Betrag beinhaltet auch die umfangreichen Bodenarbeiten am Jahresende 2015, um einen halbwegs festen Untergrund für die Leichtbauhallen zu schaffen.
Und in dieser Summe befindet sich auch ein Anteil, mit dem der Radweg vom Camp Merscher Höhe entlang der Landstraße 241 nach Jülich realisiert worden ist. Der sticht schon allein deshalb ins Auge, weil er über die gesamte Länge von 450 Metern beleuchtet ist. Hier hat die Bezirksregierung eine Anregung aus der Bürgerinformationsveranstaltung in der Stadthalle Ende letzten Jahres aufgegriffen. Auch die Beleuchtung hat ihren Preis: Sie ist mit knapp 30 000 Euro in den Gesamtkosten enthalten, aber eben auch ein bleibender Wert, wenn die Notunterkunft einmal nicht mehr ist.
Von den Investitionen profitieren langfristig neben der Stadt Jülich auch die Gemeinden Titz und Niederzier sowie die Gewerbetreibenden auf der Merscher Höhe. Die Stadtentwicklungsgesellschaft Jülich hat auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt, dass sich durch die „Nachnutzung der in Bau befindlichen Infrastruktur“ die späteren Gesamterschließungskosten um sieben bis neun Prozent reduzieren.
„Dies ist bei Projekten dieser Größenordnung ein üblicher Kostenrahmen.“
Freia Johannsen, RP Köln

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