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Jülich: Atommüll in der Warteschleife

Der TÜV sieht zahlreiche Mängel beim Entsorgungskonzept für die 152 Castoren des Forschungszentrums Jülich. Der bislang favorisierte Transport in die USA wird von den Prüfern als besonders kritisch eingestuft.

Von René Benden

Jülich. Der Transport der Jülicher Castorbehälter in die USA wird unwahrscheinlicher. Ein TÜV-Gutachten, das das NRW-Wirtschafts- ministerium als zuständige Atomaufsicht gestern veröffentlichte, stuft den Transport alter Brennelemente des ehemaligen Hochtemperaturreaktors als „wenig verlässliche Alternative“ ein. Stattdessen halten die Sachver- ständigen des TÜV den Transport der 152 Castoren von Jülich nach Ahaus für die zuverlässigste Variante.

USA-Planung wohl zu optimistisch

Der TÜV stellt dem Entsorgungskonzept des Forschungszentrums Jülich (FZJ) ein schlechtes Zeugnis aus. Die in dem Entsorgungskonzept aufgezeigten zeitlichen Ziele und vor allem die Priorisierung des Transports in die USA sind aus Sicht der Sachverständigen „nicht plausibel belegt“. Zu viele juristische und organisatorische Unwägbarkeiten machten den Transport über den Atlantik schwer kalkulierbar.

Im Juli 2014 war das FZJ von der Atomaufsicht per Anordnung aufgefordert worden, die Brennelemente unver-züglich aus dem Jülicher Zwischenlager zu entfernen, weil die Betriebserlaubnis des Zwischenlagers in Jülich seit 2013 erloschen ist. Das Forschungszentrum wurde aufgefordert, ein Ent- sorgungskonzept zu erarbeiten, dass die schnellstmöglichen Abtransport aufzeigt. Im Herbst wurde bekannt, dass das Forschungszentrum den Transport in die USA für die schnellste Variante hielt. Innerhalb von drei Jahren ließe sich die Verschiffung des Mülls über den Atlantik realisieren, während der Transport nach Ahaus fünf beziehungsweise der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich sogar acht bis neun Jahre dauern sollte.

Schon damals stellten Kritiker die Frage, warum ein Transport in die Tausende Kilometer entfernten USA schneller umzusetzen sei als die Fahrt ins gut 180 Kilometer entfernte Ahaus. Der TÜV hat diese Frage nun erneut aufgeworfen und zweifelt an den Zeitangaben. Die Planung für den USA-Export seien „zu optimistisch“ angesetzt.

Das Forschungszentrum Jülich wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung gestern noch nicht zu der TÜV-Beurteilung äußern, da die Ergebnisse auch dem Forschungszentrum erst seit gestern vorlägen. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) kündigte an: „Die Atomaufsicht NRW wird die Hinweise, die sich aus der Plausibilitätsprüfung ergeben, mit dem Forschungszentrum Jülich besprechen.“

Somit ist die Zukunft des Jülicher Atommülls weiterhin offen. Das Wirtschaftsministerium betonte gestern nochmals, dass weiterhin alle drei Optionen – USA-Transport, Ahaus-Transport oder Neubau eines Jülicher Lagers – auf dem Tisch seien. Auch verstoße die sich erneut anbahnende Verzögerung nicht gegen die Auflage, den Atommüll unverzüglich aus dem Jülicher Lager zu räumen. Laut Ministerium bedeutet „unverzüglich“ in diesem Zusammenhang, dass das FZJ alles daran setzen müsse, die Kern- brennstoffe ohne schuldhafte Verzögerung aus dem Lager zu entfernen. Da es dafür jedoch auf absehbare Zeit keine Genehmigung gibt, ist die Frage nach dem Zeitpunkt des Transports derzeit nicht zu beantworten.

Reaktor kommt in sein Zwischenlager

Am Samstag wird der ehemalige Hochtemperaturreaktor aus seinem Gebäude in ein Zwischenlager im Forschungszentrum Jülich transportiert. Der 2000 Tonnen schwere Reaktor wird auf Spezialfahrzeugen einige hundert Meter gefahren. Der stark radioaktiv belastete Behälter wird noch auf unabsehbare Zeit in Jülich lagern.

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