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Insider sicher: Pannenreaktorengehen ans Netz _Gehen marode Reaktoren noch 2015 ans Netz?

Lüttich. Alles deutet darauf hin, dass die belgischen Pannenreaktoren Tihange 2 und Doel 3 ihren Betrieb wieder aufnehmen werden. Mehrere vertrauliche Quellen hätten dies gegenüber belgischen Medien angegeben. Demnach gilt es als so gut wie sicher, dass die Reaktoren bei Lüttich – das nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt – und bei Antwerpen sogar noch in diesem Jahr wieder den Betrieb aufnehmen. Sie waren seit März 2014 abgeschaltet, weil sich Tausende Risse in den Druckbehältern befinden. Die belgische Atomaufsichtsbehörde will ihre offizielle Entscheidung über die Zukunft der Reaktoren in einigen Tagen bekanntgeben. (mgu) ▶ Region

Insider sagen, dass Tihange 2 und Doel 3 bald wieder angefahren werden. Die belgische Atomaufsicht entscheidet in den kommenden Tagen.
Von Madeleine Gullert
Lüttich. Die maroden Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 sollen noch in diesem Jahr wieder ans Netz gehen. Das melden mehrere belgische Medien, darunter der flämische Rundfunk VRT, und berufen sich auf „vertrauenswürdige“ Insider, die namentlich nicht genannt werden wollen. Die belgische Atomaufsichtsbehörde FANC entscheidet darüber, ob die beiden Rissreaktoren den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. FANC-Sprecher Sébastien Berg sagte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass es noch keine offizielle Entscheidung gebe. Diese werde erst in den kommenden Tagen fallen. Bis dahin werde man sich nicht äußern. Berg dementierte die Insiderinformationen aber nicht, was womöglich darauf hindeutet, dass die FANC dem Betreiber der beiden Atomkraftwerke, Electrabel, tatsächlich grünes Licht geben wird.
Reaktoren wohl betriebsbereit
Reaktorblock Tihange 2, der nur 60 Kilometer von Aachen entfernt bei Lüttich liegt, und Doel 3, der etwa 150 Kilometer von Aachen entfernt bei Antwerpen liegt, sind seit März 2014 abgeschaltet. Der Grund sind Tausende Risse in den Druckbehältern: 3149 in Tihange und 13 047 in Doel. Im Februar dieses Jahres war bekanntgeworden, dass die Risse in Doel bis zu 17,9 Zentimeter, in Tihange bis zu 15,4 Zentimeter lang sind. Seitdem untersuchten unabhängige Experten die Sicherheit der Reaktoren.
Am Donnerstag erst sei die Expertise der amerikanischen Wissenschaftler eingegangen, erklärte FANC-Sprecher Berg. Auch andere Ergebnisse lägen der Atomaufsichtsbehörde schon vor. Eine endgültige Entscheidung gebe es aber noch nicht. Womöglich hatten sich Menschen, die die Expertisen kennen, an die belgische Presse gewandt. Man wisse nicht, wer die Informanten seien, aber „das hat uns schon überrascht“, sagte er.
Laut der belgischen Tageszeitung „Le Soir“ soll Electrabel intern die Anweisung gegeben haben, alles für ein Wiederanfahren vorzubereiten. „In Tihange 2 und Doel 3 wird schon gearbeitet, damit die Reaktoren schnell angefahren werden können“, sagte Damien Ernst, Professor an der Universität in Lüttich, der Zeitung. Betreiber Electrabel dementierte dies auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir warten auf die Entscheidung der FANC“, sagte Electrabel-Sprecherin Anne-Sophie Hugé.
„Skandalös“
Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der Fraktionsführer der belgischen Grünen (Ecolo), Jean-Marc Nollet, dass eine Inbetriebnahme der beiden Reaktoren unmittelbar bevorsteht. „Solch eine Entscheidung ist skandalös und unverantwortlich“, sagte Nollet. Sobald es eine offizielle Entscheidung gibt, werde er Einsicht in die Dokumente der FANC einfordern.
In Belgien hatte es seit Tagen Irritationen darüber gegeben, dass weder Energieministerium noch Electrabel zügig Details zur Verlängerung von Doel 1 und 2 vereinbaren. Wenn ein entsprechendes Gesetz nicht bis Ende November verabschiedet ist, wird die Laufzeitverlängerung um zehn Jahre gekippt. Um einen Blackout zu vermeiden, hatte das Parlament einer Laufzeitverlängerung zugestimmt. Doel 1 ist schon abgeschaltet, Doel 2 müsste im Dezember vom Netz, weil AKW in Belgien nach 40 Jahren Betriebszeit abgeschaltet werden müssen. Wenn nun aber die Pannenreaktoren Tihange 2 und Doel 3 ans Netz gehen, ist die Laufzeitverlängerung für die anderen beiden Reaktoren nicht mehr nötig. Tihange 2 und Doel 3 decken 15 Prozent des Strombedarfs.

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