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Inden_Ein stürmisches erstes Jahr in Inden

Vor zwölf Monaten wurde der neue Bürgermeister Jörn Langefeld vereidigt. Gemeinde steht vor finanziell schweren Jahren.
Von Guido Jansen
Inden. Der letzte Satz, den Jörn Langefeld äußert, sagt viel aus über das erste Amtsjahr des neuen Indener Bürgermeisters. „Ich habe das Gefühl, dass sich das Klima bessern könnte“, sagt Langefeld. Den Hinweis, dass sich ein reißerisch formulierter Bericht negativ aus die politische Wetterlage auswirken könnte, spricht Langefeld nicht aus, er formuliert ihn in Form eines Lächelns. Um beim Wetter-Bild zu bleiben: Das erste Jahr als Bürgermeister in Inden war stürmisch, von vielen Donnerwettern geprägt. Der neue Bürgermeister und einige der Alteingesessenen im Rat werden nach den ersten zwölf Monaten keine Freunde mehr werden. Dafür sind ihre Aussagen im Ratssaal zu heftig und zu oft kollidiert. Zumindest auf einer Arbeitsebene will Langefeld künftig mit dem gesamten Rat auskommen. Das sagt er. „Mit gesundem Menschenverstand sollte es uns in Zukunft gelingen, für Inden zu arbeiten“, erklärt Langefeld.
Verstand brauchen sie alle in der Indener Politik, die Gemeinde ist finanziell zwar noch nicht abgestürzt, kurz vor dem Abgrund steht sie aber allemal. Er selbst will sich darauf beschränken, als Bürgermeister Sitzungen zu leiten, statt sich an verbalen Gefechten zu beteiligen. Und den Anwalt will er hinter sich lassen; auf jeden Fall auf dem politischen Parkett.
Der Schilder-Streit
Jörn Langefeld war selbstständiger Anwalt, bevor er am 22. Oktober 2015 als Indener Bürgermeister vereidigt wurde. Als parteiloser Bewerber hat er die Kandidaten der großen Koalition aus CDU und SPD geschlagen. Ob das schon Grund genug war für die Schieflage, oder ob es an den ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters lag, lässt sich nicht mehr klären. Exemplarisch sei der Parkplatzstreit beschrieben, er war der allererste. Sofort nach Amtsantritt ließ sich Langefeld einen Parkplatz mit einem Schild „Bürgermeister“ reservieren. Das ist in den meisten Verwaltungen üblich. Langefelds Vorgänger Ulrich Schuster hatte darauf verzichtet. Ring frei, Runde eins: Zwei Ratsmitglieder kritisierten die Handhabe scharf, es klang mitunter, als habe sich Langefeld sämtliche Parkplätze unter den Nagel gerissen. Gleichzeitig hätte der neue Verwaltungschef nicht wie ein Anwalt auf sein Recht pochen müssen. Bürgermeister fahren mit Moderieren besser.
Kurz vor der Sommerpause warf Langefeld dann ein Horrorszenario an die Wand, das auf die Steuerzahler zukommt, wenn Inden nicht spart. 2150 Prozentpunkte prognostizierte er als Grundsteuer B für das Jahr 2022, mehr als viermal so viel als im Moment. Alarm im Rat, die scharfen Worte flogen tief. Heute ist so gut wie sicher, dass Langefeld mit den 2150 Prozentpunkten richtig liegt. „Das hat unser Kämmerer noch einmal bestätigt“, sagt Langefeld. Wenn Inden nicht an anderer Stelle entweder mehr Geld einnimmt oder spart, dann lässt sich nur mit einer rekordverdächtig hohen Grundsteuer verhindern, dass die Gemeinde finanziell abrutscht. 2022 muss sie einen ausgeglichenen Haushalt rechnerisch darstellen können und Eigenkapital aufweisen. Haushaltssicherungskonzept heißt das. Schlägt das fehl, dann schickt die Bezirksregierung Köln einen Sparkommissar. Dann entscheidet die Kommune finanziell nichts mehr selbstständig.
Das Jahr 2017
„Wir müssen uns gemeinsam auf 2017 konzentrieren, um das abzumildern“, sagt Langefeld. Dass 2017 für Inden ein schwieriges Jahr wird, wissen sie schon länger. Inden hat 2015 eine große Gewerbesteuernachzahlung erhalten. Diese wirkt sich 2017 aus, weil die Gemeinde deswegen eine höhere Kreisumlage zahlen muss. Rund 3,1 Millionen Euro waren es 2016, 2017 sind es aller Voraussicht nach 4,9 Millionen. Gleichzeitig erwartet die Gemeinde vom einstigen Hauptgewerbesteuerzahler keine Einnahmen mehr. Das Minus im Geschäftsjahr wächst von 3 auf geschätzte 7,5 Millionen Euro.
Die Arbeit in Inden wird nicht einfacher. Arbeit, auf die er sich freut, wenn es gelingt, politisch an dem vielzitierten einen Strang zu ziehen. Trotz des stürmischen ersten Jahres habe er viele positive Momente erlebt. „Wenn man in den Kindergarten geht und dort Weihnachtsgeschichten vorliest – das ist sehr beruhigend.“ Kennengelernt hat er die vielen Vereine in Inden. Früher sei er eine Art Karnevalsflüchtling gewesen. Wenn das Rheinland jeck wurde, ging es Richtung Allgäu. „Heute weiß ich, dass es hier sehr viele Vereine und Einrichtungen gibt, die tolle Jugendarbeit leisten.“ Auch den Mitarbeitern in der Verwaltung stellt er ein gutes Zeugnis aus. Keiner schiebe eine ruhige Kugel, auf das weniger werdende Personal kämen immer mehr Aufgaben zu. „Wenn man betrachtet, wie viel eine Gemeinde im Rahmen der Daseinsfürsorge leisten muss – das ist schon beachtlich.“
Der erste Satz, den Langefeld im Bilanzgespräch nach einem Jahr als Bürgermeister sagt, ist folgender: „Ich bin hier sehr gerne Bürgermeister, daran hat sich trotz des schwierigen ersten Jahres nichts geändert.“ Würde man ihn jetzt fragen, ob er sich in vier Jahren wieder zur Wahl stellt, seine Antwort wäre ohne Wenn und Aber ein Ja. „Aber bis dahin liegen erstmal vier Jahre harter Arbeit vor uns“, sagt Jörn Langefeld.
„Mit gesundem Menschenverstand sollte es uns in Zukunft gelingen, für Inden zu arbeiten.“ Jörn Langefeld,Indener Bürgermeister

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