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Inden: Anschlag auf Stromtrasse_Saboteur will Tagebau Inden lahmlegen

Täter sägt 110 000 Volt führenden Mast am Tagebau an – und brüstet sich später im Internet. Leitungen kreuzen auch die Autobahn 4. Zahl der Sabotageakte gegen RWE hat sich in jüngster Zeit vervielfacht.
Von Patrick Nowicki
Eschweiler. Die Sabotage gegen RWE hat am Tagebau Inden eine neue Dimension erreicht. Wie gestern bekannt wurde, hatte ein Unbekannter in der Nacht zum Dienstag versucht, einen Strommast zwischen dem Kraftwerk Weisweiler und dem Ort Neu-Lohn zu kippen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass der Täter einige Verankerungen gelöst und den Mast mit einem Winkelschneider an zwei Stützen bearbeitet hat. Zudem hat er versucht, das Stahlgerüst mit einem Wagen auf die Seite zu ziehen. Der 80 Meter hohe Mast trägt 110 000-Volt-Leitungen, die den Tagebau Inden mit Strom versorgen. Sie führen auch über die Autobahn 4. Im Netz rühmt sich ein Unbekannter der Tat. „Ich habe heute Nacht versucht, dem Tagebau Inden die Lichter auszuknipsen“, heißt es auf einer Internetplattform, die dem linksradikalen Spektrum zugeordnet wird. Er wolle nicht nur eine Energiewende, er wolle eine Wende des Systems, steht dort zu lesen. Zudem rief er zu weiteren Sabotageakten gegen RWE auf.
Der Energiekonzern hat die Polizei eingeschaltet, die am Tatort Spuren sicherstellte. Die Sicherheitsvorkehrungen im Tagebau selbst wurden verschärft. Die Polizei will zudem häufiger kontrollieren. „Wer stromführende Hochspannungsleitungen sabotiert, der spielt nicht nur mit seinem, sondern auch mit dem Leben anderer Menschen“, erklärte RWE-Sprecher Sebastian Ackermann.
Das Unternehmen besitzt mehrere tausend solcher Strommasten. Einen ähnlichen Vorfall wie jetzt am Tagebau Inden habe es laut Ackermann noch nicht gegeben. Den Schaden beziffert der Energiekonzern im hohen fünfstelligen Bereich. Der Mast muss aufwendig repariert werden. Die Stromversorgung sei allerdings zu keiner Zeit gefährdet gewesen, hieß es. Auch der Betrieb im Tagebau wäre allenfalls eingeschränkt gewesen.
Die Zahl der Sabotageakte habe sich laut RWE in den vergangenen Monaten vervielfacht. Stets wird Anzeige erstattet. Allerdings sind die Ermittlungserfolge gering. Vor allem der Tagebau Hambach wird immer wieder Ziel von Aktionen. Inzwischen hat sich eine Initiative gegründet, die eine schärfere Verfolgung der Täter fordert. Ihr gehören auch Landtagsabgeordnete an.  ▶ Seite 10
„Wer Hochspannungsmasten sabotiert, spielt nicht nur mit seinem, sondern auch mit dem Leben anderer Menschen.“
Sebastian Ackermann,
RWE-Sprecher


Saboteur will Tagebau Inden lahmlegen
Ein Unbekannter hat in Eschweiler versucht, einen Hochspannungsmast zu fällen . RWE spricht von einer neuen Dimension.
Von Patrick Nowicki
Eschweiler. Der Schock nach dem Sabotageakt an einem Strommast in der Nähe der beiden Windräder an der Straße Am Hagelkreuz sitzt tief. „So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt“, sagt Sebastian Ackermann, Sprecher von RWE. Ein Unbekannter hatte in der Nacht zum Dienstag einen 80 Meter hohen Strommast mit einem Winkelschleifer angesägt. Die Schnitte befänden sich unmittelbar über dem Fundament. Der Mast trägt mehrere 110 000-Volt-Leitungen, die den Tagebau Inden mit Strom versorgen.
Auf einer Seite im Internet, die dem linksradikalen Spektrum zugeordnet wird, bekannte sich jemand zu der Tat. Er habe versucht, „dem Tagebau Inden die Lichter auszuknipsen“.
Er habe dies getan, um seiner „Wut über den fortschreitenden Braunkohleabbau und die Repression gegen die Menschen, die sich dagegen einsetzen, Ausdruck zu verleihen“, heißt es in dem Beitrag. Er sei sich der Risiken bewusst gewesen, halte es aber für nötig, zu drastischen Mitteln zu greifen im Kampf für eine bessere Welt, schrieb er dort. In einigen Kommentaren auf der Internetseite erhält er Zuspruch für seine Tat.
Einem Landwirt war die Sabotage zufällig aufgefallen, als er mit seinem Traktor an dem Mast vorbeifuhr. Der RWE-Konzern reagierte sofort und schaltete die Polizei ein. „Dies ist kein Dummejungenstreich, sondern eine gefährliche Straftat“, betont Ackermann. Die Ermittler sind zuversichtlich, den Straftäter schnappen zu können. Sie sicherten zahlreiche Spuren am Mast. Offensichtlich hat der Unbekannte auch versucht, mit einem Wagen den Mast umzulegen.
Was passiert wäre, wenn der Täter erfolgreich gewesen wäre, kann RWE nur schwer abschätzen. Die Hochspannungsleitungen führen nicht nur über die Straße Am Hagelkreuz, sondern auch über die Autobahn 4 zur sogenannten „Schaltanlage Zukunft“.
Ein solcher Sabotageakt stellt auch für RWE eine neue Dimension dar: Bisher sei es zu so einem Versuch noch nicht gekommen. Die RWE Westnetz GmbH besitzt tausende solcher Masten im gesamten Rheinischen Revier. Gleichwohl räumt der Konzern ein, dass sich die Zahl der Eingriffe in die Betriebsabläufe in den vergangenen Monaten vervielfacht habe. Gestern Mittag setzte sich die Betriebsleitung im Tagebau Inden zusammen und erweiterte unter anderem das Sicherheitskonzept. Auf dem Tagebaugelände patrouilliert eine Security-Firma.
Wie die Polizei Aachen bestätigt, ist der Tagebau Inden jedoch selten betroffen. Meist sei der Tagebau Hambach mit dem angrenzenden Hambacher Forst und der Hambachbahn Ziel solcher Aktionen. Aufgrund der steigenden Zahl der Vorfälle hat sich vor einigen Monaten auch eine Initiative unter dem Namen „Mein Revier – meine Zukunft“ gegründet, der Theo Schlößer (ehemaliger Ingenieur im Tagebau Inden) und der ehemalige Leiter des Tagebaus, Arthur Oster, vorstehen.
Etwa 400 Mitglieder zählt die Gruppe – die meisten Unterstützer sind ehemalige Mitarbeiter des Energieunternehmens. Auch politische Vertreter engagieren sich im Vorstand: der CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Kippels und der SPD-Landtagsabgeordnete Guido van den Berg.
Sorgen bereitet der Initiative die oft schwierige Strafverfolgung bei Sabotageakten. „Die Täter werden zwar oft gefasst, können aber dann nicht identifiziert werden und dürfen nach einiger Zeit die Wache wieder verlassen, ohne dass man die Personalien festgestellt hat“, berichtet Arthur Oster.
Die Reparaturen an dem Strommast, der am Fuß eingeschnitten wurde, werden einige Tage in Anspruch nehmen. RWE geht von einem Schaden im hohen fünfstelligen Bereich aus. Wird der Täter gefasst, muss er nicht nur dafür aufkommen, sondern zudem mit einem Strafverfahren rechnen.
Im Internet zeigt er wenig Reue. Im Gegenteil: Er ruft zu weiteren Sabotageakten auf. „Ich war mir der Risiken für mich bewusst, halte es aber für nötig, zu drastischen Mitteln zu greifen im Kampf für eine bessere Welt“, heißt es dort. Die Ermittlungen in diesem Fall laufen.
„Dies ist kein Dummejungenstreich, sondern eine gefährliche Straftat.“
Sebastian Ackermann,
Sprecher von RWE

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