Freie und unabhängige Wählergemeinschaften in Aldenhoven, Inden, Jülich, Linnich, Merzenich, Titz, Vettweiß und Piratenpartei

Hambacher Forst wird gerodet

„Nicht nachvollziehbar“: RWE lässt sich nicht auf Appell eines Waldführers ein
Von Marlon Gego
Essen/Aachen. Der Energiekonzern RWE hat gestern die Bitte des Aachener Waldführers Michael Zobel abgelehnt, die Rodungssaison 2016/2017 auszusetzen und den Hambacher Forst ein Jahr lang so zu lassen, wie er im Moment ist. Zobel hatte gehofft, innerhalb dieses Jahres Möglichkeiten zu erörtern, das weitere Abholzen des verbliebenen Forstes zu verhindern. Ein RWE-Sprecher sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, die weitere Rodung des Hambacher Forsts sei für den Betrieb des Tagebaus Hambach unabdingbar. Die Forstbehörde würde aber „nicht mehr Fläche zur Rodung genehmigen, als für den Tagebaufortschritt unbedingt nötig“ sei.
Waldführer Zobel erklärte gestern, er fühle sich „von RWE abgespeist“. Der Konzern hatte Zobel geschrieben, es sei geplant, dass als Ausgleich für die Rodung des Hambacher Forstes und anderer Flächen „deutlich über zehn Millionen Bäume neu gepflanzt“ worden seien. Zudem sei geplant, „knapp 200 Hektar“ des Hambacher Forstes stehen zu lassen. Auf diese Weise würden die Tagebaue im Rheinland mehr Wald hinterlassen, als durch den Braunkohleabbau in Anspruch genommen worden sei, heißt es in dem Schreiben.
Die alte A 4 wird überschritten
Ein oft gehörtes Argument, neue Kohleausstiegsszenarien zu diskutieren, weil „die Mitarbeiter (…) mehr Planungssicherheit“ bräuchten, sei „nicht nachvollziehbar“. Dies schaffe „gerade keine Sicherheit, sondern Verunsicherung“, weil das Ende des Tagebaus feststeht: Inden wird bis 2030 geschlossen, Hambach bis 2040, Garzweiler bis 2045. RWE räumte ein, dass „in den nächsten Jahrzehnten absehbar immer weniger konventionelle“ Energieerzeugung benötigt werde. Dennoch sei RWE „davon überzeugt, dass der heimische Energieträger Braunkohle auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen wird“. Das Schreiben trägt die Unterschrift vom Leiter der RWE-Tagebauentwicklung Michael Eyll-Vetter.
Michael Zobel kann in diesem Schreiben lediglich „die altbekannte Argumentation“ erkennen, die „Antwort ist extrem unbefriedigend“. Bei der letzten Versammlung der RWE-Aktionäre in der Essener Grugahalle hätten überall Plakate gehangen, auf denen stand: „RWE wird grün“. Der Konzern habe „die Zeichen der Zeit durchaus erkannt“, halte aber trotzdem am Braunkohleabbau fest.
RWE teilte gestern überdies mit, dass der Tagebau Hambach 2017 erstmalig die alte A 4 bei Merzenich-Morschenich überschreite. Zobel hatte gebeten, die alte A 4 als vorübergehende Begrenzung des Tagebaus zu erwägen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *