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Größere Risse: Aus für Doel 3 und Tihange 2?

Die Risse in den belgischen Reaktoren sind doppelt so groß wie bislang angenommen. Verwirrungum die Zahlen zeigt Chaos bei der Atomaufsicht.
Von Madeleine Gullert
Aachen. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die maroden belgischen Atomreaktoren Doel 3 und Tihange 2 je wieder ans Netz gehen. Außerdem wird offensichtlich, welch ein Chaos bei der belgischen Atomaufsicht FANC (Federaal Agentschap voor Nucleaire Controle) herrscht. Denn gestern wurde bekannt, dass die Risse in den Druckbehältern sogar doppelt so lang sind wie bislang angenommen: in Doel 3 bis zu 17,9 Zentimeter, in Tihange bis zu 15,4 Zentimeter. Das belegen neue Zahlen der FANC.
Die beiden Reaktoren sind zurzeit nicht in Betrieb, der Betreiber Electrabel strebte bislang aber an, sie ab Juli 2015 wieder hochzufahren. „Für Electrabel wird es sehr schwer werden, zu beweisen, dass die Reaktoren sicher sind“, sagte FANC-Sprecher Sébastien Berg gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Ohnehin habe die Atomaufsicht eine Reihe strikter Anforderungen an Electrabel gestellt. Zurzeit liefen Untersuchungen.
Laut FANC handelt es sich bei den nun veröffentlichten Zahlen um Rohdaten, die noch ausgewertet werden müssen. Man wolle nun aber eine Transparenzinitiative starten. Tatsächlich wirkt die Kommunikation in Sachen Doel 3 und Tihange 2 wenig professionell. Vor wenigen Tagen erst hatte die FANC die Zahl der Risse von 2012 korrigiert. 3149 in Tihange sowie 13 047 in Doel. Kurze Zeit später wurden neue Zahlen zur Größe der Risse bekannt. Statt der bislang angegebenen maximalen Länge von 2,4 Zentimetern war von neun Zentimetern die Rede.
Die FANC gab damals an, dass die Zahl auf präzisere Ultraschalluntersuchungen aus dem Jahr 2014 zurückzuführen sei. Tatsächlich entstanden die Zahlen aber durch eine Neuinterpretation der ersten Reaktoruntersuchung von 2012. Erst die Zahlen von gestern geben die Ergebnisse der verfeinerten Ultraschalluntersuchung aus dem vergangenen Jahr wieder – „ein Missverständnis unserer Experten“, sagte Berg.
„Die Risse sind nicht größer geworden, sie wurden jetzt nur präziser per Ultraschall untersucht“, sagte Anne-Sophie Hugé, Sprecherin von Electrabel unserer Zeitung. Auch Berg betont, dass sich die Risse an den gleichen Stellen befänden. Zudem sei man dazu übergegangen, mehrere Risse, die nebeneinanderliegen, als einen zu bewerten. „Es gibt eigentlich keinen 17,9 Zentimeter großen Riss“, versucht er zu beschwichtigen.

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