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Ein Prosit auf die gute Bankwirtschaft

Die Stadt Düren profitiert bei vielen Veranstaltungen von einem Sponsoring der Sparkasse. Im Jahr 2014 flossen über 170 000 Euro .
Von Jörg Abels und
Stephan Johnen
Düren. Neujahrsempfänge, karnevalistische Schlüsselübergaben, Neubürgerabende, Seniorennachmittage: Immer wieder lädt die Stadt Düren zu Veranstaltungen ein. Und immer wieder taucht ein Geldgeber auf, ohne den wohl kaum eine dieser Veranstaltungen stattfände: die Sparkasse Düren. Der dem Finanzausschuss des Stadtrats vorgelegte Jahresbericht über die Sponsoringleistungen an die Stadt weist für das Jahr 2014 Zuwendungen des Geldinstituts von mehr als 170 000 Euro aus, zusätzlich zur jährlichen Gewinnausschüttung. Wer glaubt, Bier, Cola oder Wasser kämen bei solchen Feiern von der Stadt, irrt in der Regel.
Immer sinnvoll?
Vieles ist nachvollziehbar, anderes zumindest diskussionswürdig. Ohne einen Zuschuss von 10 000 Euro gäbe es beispielsweise kein Begrüßungspaket für Eltern von Neugeborenen, auch das Kinderkulturfest im Mai im Willy-Brandt-Park (7500 Euro), die Jugendschutzveranstaltung an Weiberfastnacht (4000 Euro) oder die Jugendkulturwoche „Action Week Deluxe“ (4500 Euro) hätten 2014 wohl nicht stattgefunden. Auch den Gipfel gegen Kinderarmut und den Festakt „90 Jahre Jugendamt der Stadt Düren“ ließ sich die Stadt von der Sparkasse mitfinanzieren, den einen mit 5000, den anderen mit 4600 Euro.
Und Michael Holm hätte bei den Seniorennachmittagen auf der Annakirmes nicht vor über 1200 Zuhörern so schön von „Mendocino“ gesungen. Für einen Eintrittspreis von acht Euro, der Kuchen und Kaffee beinhaltet, wäre der Schlagerstar der 70er Jahre wohl nicht an die Rur gekommen, um den nicht immer gut betuchten Senioren einen schönen Nachmittag zu bereiten. Die Sparkasse steuerte 10 000 Euro bei.
Es ist hingegen höchst unwahrscheinlich, dass die Schausteller nicht zur Annakirmes kommen, wenn sie beim städtischen Empfang kein gesponsertes Bier erhalten. 6000 Euro hat die Sparkasse 2014 für diesen Anlass zur Verfügung gestellt. Der Großteil floss in die Bewirtung (4241,70 Euro). Bei einem Bierliterpreis zwischen 2,10 und 2,50 Euro muss reichlich Gerstensaft geflossen sein. Wie beim Gästetag der Annakirmes (Sponsoring 5000 Euro).
Das ist im Übrigen bei den karnevalistischen Empfängen nicht anders. Von den 7500 Euro beispielsweise, die in den Empfang der erwachsenen Jecken flossen, wurden 3688,58 Euro für die Bewirtung abgerechnet, weitere 1702,36 Euro für Präsente. Auch den ehemaligen Prinzen und Prinzenpaaren schmeckte es, weil die Sparkasse ihren städtischen Empfang sponserte – 2014 mit 2000 Euro, 3500 Euro waren es, als das alte Prinzenpaar verabschiedet und das neue auf „Burgau“ vorgestellt wurde. Und natürlich sollte es auch den Gästen gutgehen, die 2014 aus den Partnerstädten zum Stadtfest angereist waren. 20 000 Euro ließ sich die Sparkasse die Begegnung der Delegationen kosten, auch wenn in Gradačac, Ereğli & Co. sicher niemand ein Konto in Düren besitzt. Dieses Treffen wurde im Übrigen auch von einer Brauerei aus der Eifel unterstützt – mit 3500 Euro.
„Sponsoring ist ein operatives Geschäft der Sparkasse Düren. Die Verträge beruhen auf Gegenseitigkeit. Dazu gehören auch Verschwiegenheitsklauseln“, sagte gestern Sparkassen-Sprecher Dirk Hürtgen auf Nachfrage unserer Zeitung. Weitere Fragen der DZ zum Thema Sponsoring wollte das kommunale Kreditinstitut nicht beantworten. Offen blieb auch, welche Sponsoring-Zahlungen die Sparkasse in den Jahren 2014 und 2015 kreisweit geleistet hat.
Bei Verträgen auf Gegenseitigkeit handelt es sich um ein vertragliches Schuldverhältnis, beide Vertragsparteien sind zu Leistung und Gegenleistung verpflichtet. Die Fragen an den Sparkassen-Vorstand, welche Kriterien es bei der Zusage eines Sponsorings gibt, welche Effekte sich die Sparkasse von einer werbewirksamen Unterstützung erhofft und wie Entschlüsse gefasst werden, blieb gestern ebenfalls unbeantwortet.
Im Jahr 2014 hat die Sparkasse Düren 1,6 Millionen Euro Spenden an sportliche, kulturelle, soziale und gesellschaftliche Einrichtungen überwiesen, hieß es im vergangenen März bei der Vorstellung des Jahresberichtes. Sponsoring-Zahlungen wurden nicht beziffert. Ob Sportvereine, Bildung, soziale Initiativen, karitative Einrichtungen, Feste oder Veranstaltungen der Städte und Gemeinden im Kreis Düren: Pro Jahr kommt sicher schnell eine hohe sechsstellige Summe zusammen.
Weitere gesponserte Veranstaltungen im Überblick
Die Liste der 2014 gesponserten Veranstaltungen ist lang, nachfolgend einige weitere Beispiele:
Neujahrsempfänge für Vereine und Behördenvertreter (6500 Euro), Tag des Ehrenamtes (1500), Frauenempfang zum Internationalen Frauentag (2300), Neubürgerabende (3000), Papiertheatertreffen auf Schloss Burgau (6700), Veranstaltungen verschiedener Institutionen zum Ersten Weltkrieg (10 000), Immobiliensymposium 50 Jahre Gutachterausschuss (2000), Veranstaltungen zum Karlsjahr (1500), Autorenlesung mit Günter Lamprecht (2000), Leseförderungsprojekt „Sommer Lese Club“ (2000), Plakate und Flyer des Kulturbetriebs zum Jahresprogramm (7000), Seniorennachmittage in den Stadtteilen (16 000).

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