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Ein eigenartiger Kompromiss für die MVA Weisweiler

Die Müllverbrennungsanlage bekommt einen neuen Geschäftsführer. Sind Kreis Düren und Städteregion Aachen düpiert worden?
Von Marlon Gego
Eschweiler/Düren/Aachen. Um die Zukunft der Müllverbrennungsanlage (MVA) Weisweiler ist sechs Jahre lang hart gerungen worden, und am Ende, als eine Lösung gefunden war, sah es so aus, als ob die Städteregion Aachen und der Kreis Düren niedergerungen worden seien. Zwar wurde allseits von „einem Kompromiss“ gesprochen, doch das stimmt allenfalls ein bisschen. Seit dem 1. Oktober ist MVA-Geschäftsführer Ulrich Koch nicht mehr im Amt, und es sieht so aus, als ob der eine MVA-Eigentümer den anderen düpiert hat.
120 Arbeitsplätze
Um zu verstehen, was passiert ist, muss man wissen, dass die MVA zur einen Hälfte über die AWA GmbH der Städteregion Aachen und dem Kreis Düren gehört, zur anderen Hälfte über die EGN GmbH der Stadt Krefeld. Die EGN GmbH hatte diesen Sommer erwogen, die Zusammenarbeit mit der AWA GmbH zu beenden, was möglicherweise das Aus der MVA bedeutet hätte. Vorausgegangen war diesen Überlegungen der Beschluss von Stadt und Städteregion Aachen und dem Kreis Düren, die Kooperation mit der RWE Power AG zu beenden, die die MVA seit 1997 technisch betreibt. Die AWA GmbH wollte die MVA ab 2017 gemeinsam mit der EGN GmbH und den Aachener Stadtwerken (Stawag) lieber selbst betreiben, was erheblich günstiger wäre als die Zusammenarbeit mit RWE. Doch die EGN GmbH war strikt dagegen: Die Zukunft der MVA und die Arbeitsplätze von etwa 120 Beschäftigten der MVA GmbH standen auf der Kippe.
Also setzten sich die Eigentümer im August zusammen und suchten einen Kompromiss: Dieser Kompromiss sah zum einen vor, entgegen der in Aachen und Düren gefassten politischen Beschlüsse die Kooperation mit RWE nun doch bis Ende 2020 fortzusetzen. Ab 2021 soll die MVA dann selbst und ohne die Hilfe von RWE betrieben werden. Zusätzlich ließen sich die Verhandlungsführer von Städteregion Aachen und dem Kreis Düren das Zugeständnis abringen, dass MVA-Geschäftsführer Koch baldigst zu ersetzen sei. Die EGN GmbH sprach von „fehlendem Vertrauen“. Koch war seit der Existenz der MVA GmbH 1998 deren kaufmännischer Geschäftsführer.
Nachfolger von Koch soll nach Informationen unserer Zeitung zum 1. November Herbert Küpper werden, bislang kaufmännischer Leiter der EGN GmbH. Damit stellt die EGN GmbH die gesamte Spitze der MVA GmbH, denn auch der technische Geschäftsführer Andreas Fries, ebenfalls seit 1998 im Amt, wurde seinerzeit von der EGN GmbH vorgeschlagen. Sieht so ein fairer Kompromiss aus? Und ist sichergestellt, dass eine von der EGN GmbH dominierte MVA-Geschäftsführung die Planungen für den Eigenbetrieb der MVA ab 2021, der für die Gebührenzahler in der Städteregion und im Kreis Düren wohl spürbar positive Auswirkungen hätte, adäquat vorantreibt?
Fragen, die eigentlich nur die Entscheidungsträger beantworten können. Doch Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der MVA GmbH, weilte gestern auf der Immobilienmesse Expo Real und konnte wegen Terminschwierigkeiten keine Stellungnahme abgeben. Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), der ebenfalls in München ist, erklärte gestern, dass er vom neuen Geschäftsführer erwartet, „dass seine Loyalität zuerst der MVA und dann erst dem Unternehmen gilt, das ihn in diese Position entsandt hat“. Seiner Auffassung nach verspreche „das erarbeitete Konstrukt, tragfähig zu sein“.
Kein Generationswechsel
Klar ist andererseits schon jetzt, dass nach Kochs unfreiwilligem Rücktritt als Geschäftsführer der MVA GmbH die Chance verpasst worden ist, einen Generationenwechsel in der MVA-Geschäftsführung einzuleiten. Koch ist 62 Jahre alt und wäre 2018 aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin abgelöst worden. Doch von einem Generationswechsel kann keine Rede sein: Kochs Nachfolger Herbert Küpper ist bereits 60 Jahre alt.

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