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Die Rente wird ganz sicher nicht reichen

Im Interview blickt Sparkassen-Chef Uwe Willner optimistisch in die Zukunft. Nur die junge Generation bereitet ihm ein wenig Sorgen.

Kreis Düren. Uwe Willner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Düren, möchte sich mit Blick auf das Jahr 2014 nicht beklagen. Die Sparkasse hat voraussichtlich einen Gewinn jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke erwirtschaftet und auch um die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in der Region sei es gut bestellt. Im Interview mit DZ-Redakteur Stephan Johnen spricht Willner über die Herausforderungen der Zukunft, niedrige Zinsen und die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt zu sparen.

Herr Willner, der Euro befindet sich im Sinkflug, die europäische Wirtschaft schwächelt und die Stimmung an den Aktienmärkten ist von Unruhe geprägt. Können Sie derzeit gut schlafen?

Willner: So ein düsteres Bild würde ich gar nicht zeichnen. Mit Blick auf unsere Privat- und Geschäftskunden muss ich sogar sagen, dass die Menschen im Kreis Düren eher optimistisch in die Zukunft schauen, die Stimmung ist gut. Weder bei den Privat- noch bei den Geschäftskunden ist es beispielsweise in der jüngsten Vergangenheit zu hohen Ausfällen bei Krediten gekommen. Ich sehe auch Anzeichen, dass die Weltkonjunktur anzieht – und das ist gut für unsere starken, exportorientierten Unternehmen an der Rur.

Wie steht es denn um das Wohlbefinden der Sparkasse?

Willner: Wir gehen von einem zufriedenstellenden Ergebnis aus, das über den Planungen liegt. Die Zehn-Millionen-Euro-Marke sollten wir beim Gewinn überschreiten.

Steigt angesichts dieses Ergebnisses die Verlockung der Politik, die Sparkasse als Finanzier aller Wünsche zu betrachten?

Willner: Wir stellen Anfang 2015 den Jahresabschluss auf und im Juni entscheiden unsere Eigentümer, welcher Anteil des Gewinns ausgeschüttet wird. Die Anforderungen aus Brüssel an Banken steigen aber weiter. Statt 8 Prozent in diesem Jahr müssen wir fortan 10,5 Prozent Eigenkapital vorhalten. Wir rechnen bis zum Ende der Dekade mit 16 bis 18 Prozent. Es wäre jetzt zu früh, über die Höhe der Gewinnausschüttung zu spekulieren. Stadt und Kreis gehen mit diesem Thema seit Jahren verantwortungsvoll um.

Zuletzt hat die Sparkasse Düren 2,1 Millionen Euro unter dem Titel „Kinder. Lachen. Lernen.“ für die Jugendarbeit in allen Kommunen zur Verfügung gestellt. Dürfen die klammen Kommunen mit einer neuen Finanzspritze rechnen?

Willner: Das ist noch nicht abschließend beantwortet. Je nach wirtschaftlicher Lage werden wir im letzten Quartal 2015 darüber beraten. Die Sparkasse fühlt sich als verlässlicher Partner den Städten und Gemeinden verpflichtet.

Die Sparkasse ist offenbar ein derart verlässlicher Partner, dass sie Kommunen Anfang 2014 unter dem Strich fast 615 Millionen Euro Kredite bewilligt hat. Wie steht es um die Tilgung dieser Schulden?

Willner: Wir haben dieses Jahr eine Obergrenze für Kommunalkredite beschlossen. Das Kreditvolumen wurde von 615 auf 580 Millionen Euro reduziert. Wir haben die Kommunen bei der Suche nach neuen Kreditgebern begleitet. Unter die Obergrenze fallen aber keine Investitionskredite.

Was bedeutet das?

Willner: Es ist wichtig zu investieren. In Humankapital, also in Bildung, Schulen und Forschung, aber auch in Infrastruktur. Denn in Zukunft wird vor allem Bildung die Qualität eines Standortes bestimmen.

Die Sparkasse finanziert den Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland und stellt dafür rund 150 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Wie hoch ist die Rendite dieser Anlage?

Willner: Der Kreis Düren steht vor großen Aufgaben. Die Zahl der Einwohner sinkt, und schon heute müssen wir uns auf die Zeit nach dem Tagebau vorbereiten. Das ist ein spannender Prozess, und die Indeland-Gesellschaft leistet gute Arbeit.

Lassen sich konkrete Erfolge benennen?

Willner: Indeland ist ein zentraler Ansprechpartner und Akteur in der Innovationsregion Rheinisches Revier und bündelt die Bemühungen, über das EU-Leader-Programm Fördergelder in die Region zu holen. Es geht darum, Pläne für die Zukunft zu entwickeln. Deswegen sind wir auch am Wirtschafts- und Innovationsnetzwerk Stadt Düren, der Rurenergie und der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer beteiligt.

Die Zinsen sinken seit Jahren. Womit verdient die Sparkasse ihr Geld?

Willner: Die Zinsentwicklung ist rückläufig. Etwa 600 Millionen Euro haben wir überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Wir spekulieren nicht, wir setzen auf Anlagen der höchsten Bonität.

Was ist damit zu erreichen?

Willner: Aktuell etwa ein Prozent Rendite.

Also etwas mehr als ein Inflationsausgleich.

Willner: Die Zinspolitik der europäischen Zentralbank hat alle Sparer, und dazu zählen auch wir, im Zeitraum von 2010 bis 2014 um etwa 23 Milliarden Euro Zinsen gebracht.

Wie versuchen Sie das zu kompensieren?

Willner: Wir wollen das Privat- und Geschäftskundengeschäft ausbauen und das Volumen steigern. Wir möchten neue Kunden gewinnen, aber auch Kunden wieder zurück in die Sparkassenfamilie holen. Wir setzen auf eine neue strategische Ausrichtung, bieten viele interessante Dienste unkompliziert online an. Da ist noch großes Potenzial.

Ist die Erhöhung der Kontoführungsgebühren selbst beim Online-Konto dabei der richtige Schritt?

Willner: Auch hinter einem Online-Konto steht eine Menge Infrastruktur. Zudem sind viele sogenannte Gratis-Modelle von Mitbewerbern an Bedingungen geknüpft. Das gibt es bei uns nicht. Zudem haben Sie als unser Kunde Zugriff auf 70 Geldautomaten im Kreisgebiet.

Sie haben erwähnt, dass sich die Region im Umbruch befindet. Welche Auswirkungen wird das auf die klassischen Filialen haben? Werden einige verschwinden?

Willner: Konkret ist derzeit keine Veränderung geplant.

Wie könnte denn eine Veränderung aussehen?

Willner: Wir werden uns das Nutzungsverhalten der Kunden genau anschauen. Wie viele Kunden nutzen unsere Online-Angebote? Welche Filiale ist ausgelastet, wo besteht Bedarf, wo womöglich ein Überangebot? Die Sparkasse Düren wird immer mit Filialen Ansprechpartner ihrer Kunden bleiben. Aber manches Angebot lässt sich vielleicht auch automatisieren. Das wird schließlich heute schon gut angenommen.

Welcher Geschäftsbereich lief 2014 besonders gut?

Willner: Nach wie vor die Immobilienfinanzierung. Die Zinsen sind auf einem historischen Tief, die Menschen denken viel eher ans Eigenheim.

Ist die Blase damit programmiert?

Willner: Bei uns nicht. Wer bei uns eine Baufinanzierung haben möchte, muss ein solides Eigenkapitalpolster von 20 Prozent mitbringen.

Lohnt sich klassisches Sparen überhaupt noch?

Willner: Sparen lohnt sich immer, zumal jeder Mensch etwa zwei bis drei Netto-Monatsgehälter zur Sicherheit auf die hohe Kante legen sollte. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.

Würden Sie denn derzeit Geld aufs Sparbuch oder Tagesgeldkonto legen?

Willner: Den oben zitierten Risikopuffer auf jeden Fall. Aber darüber hinaus gibt es noch andere Anlageformen, die eine gute Rendite ermöglichen. Aktien beispielsweise.

Was beunruhigt Sie derzeit am meisten?

Willner: Ich habe große Sorge bei den Jüngeren. Die Bereitschaft, regelmäßig etwas Geld zurückzulegen, ist ganz erheblich rückläufig. Wovon wollen sie später leben? Die Rente wird ganz sicher nicht ausreichen. Je früher man mit der privaten Vorsorge anfängt, desto mehr kommt am Ende dabei heraus.

„Wir gehen von einem zufriedenstellenden Ergebnis aus, das über den Planungen liegt.“

Uwe Willner

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