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Braunkohle: Gewerkschafter machen Unmut Luft

Mahnwache der IGBCE nahe Holzweiler zeitgleich mit dem Start des Klimacamps in Lützerath. Kritik an der Energiepolitik. Feuertonnen als Zeichen des Protests.
Von Helmut Wichlatz
Erkelenz-Holzweiler. Die Beschäftigten von RWE Power haben die „Schnauze voll“. So lautet zumindest das Motto ihrer Mahnwache, mit der sie seit Donnerstag auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Das zeitgleich stattfindende Klimacamp in Lützerath nahm der Alsdorfer Bezirksverband der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie, Energie (IGBCE) zum Anlass für eine Mahnwache an der L 19 bei Holzweiler in Höhe der Kreuzung Titzer Straße. Vier Feuertonnen sollen bis Freitag brennen und auf die Situation der RWE-Mitarbeiter hinweisen.
„Wollen nicht die Zeche zahlen“
Die sehen sich nämlich zwischen den Fronten zwischen einer ihrer Meinung nach braunkohlefeindlichen Energiepolitik auf der einen und arbeitnehmerfeindlichen Personalpolitik des Unternehmens auf der anderen Seite. „Wir wollen nicht die Zeche zahlen“, betonte IGBCE-Bezirksleiter Manfred Maresch am Donnerstag bei der Eröffnung der Mahnwache. In den vergangenen Jahren sei besonders im rheinischen Braunkohlerevier massiv Personal abgebaut worden. Seitens des Arbeitgebers RWE Power seien auch materielle Leistungen gestrichen worden. Nun solle auch auf tarifliche Leistungen verzichtet werden.
Schieflage auf dem Strommarkt
„Das Problem sind nicht die Einkommen der Beschäftigten“, betonte er. Vielmehr sei es die seiner Ansicht nach verfehlte Energiepolitik. Durch die massive Förderung der erneuerbaren Energien komme es zu zunehmend zu einer Schieflage auf dem Strommarkt. Gerade in der Phase des Übergangs sei die Braunkohle als einzige Energiequelle wichtig, um eine sichere, preiswerte und jederzeit verfügbare Energieversorgung sicherzustellen. Dies sei auch mit Blick auf die Industrie und deren Arbeitsplätze wichtig. „Die Braunkohle wird am Ende dieses Prozesses überflüssig sein“, räumte er ein. „Doch bis dahin wird sie gebraucht, um den Übergang sicher zu gestalten.“ Dies bedeute auch, eine Lösung zu finden, wie die regenerative Energie gespeichert werden könne, um jederzeit abrufbar zu sein.
Die Gewerkschafter hatten zuvor die Teilnehmer am Klimacamp dazu aufgerufen, keine Gewalt in den eigenen Reihen zuzulassen. „Der Protest der Braunkohlegegner ist legitim“, betonte Maresch. „Doch wir lehnen jede Form von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ab.“ Im Vorfeld zur Mahnwache habe er die Organisatoren des Klimacamps eingeladen, die Mahnwache zu besuchen. Eine Antwort habe er bislang nicht erhalten. Da sei man auf der anderen Seite schon weiter. „Wir stehen kurz vor einem Tarifabschluss“, berichtete Maresch. Dieser werde dann für rund drei Jahre zumindest auf dem Feld für Ruhe sorgen.
Demo am nächsten Freitag
Dann machte sich Maresch daran, die Feuertonnen anzufachen, die symbolisch für den Protest der RWEler stehen. Ebenfalls angefacht wurden die Grills, denn die Kollegen sollten nicht mit knurrendem Magen wachen. Unter den Besuchern der Mahnwache war auch der Dürener Landtagsabgeordnete Peter Münstermann (SPD). Auch der Landrat des Rheinkreises Neuss, Hans-Jürgen Petrauschke (CDU), hatte eine Stippvisite angekündigt.
Mit einem großen Solidaritätsbrunch, zu dem Hunderte RWE-Mitarbeiter und Gäste erwartet wurden, endet die Mahnwache Freitag. Am kommenden Freitag sind sie schon wieder da, um mit einem Demonstrationszug erneut auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
Klimacamp: 1000 Teilnehmer erwartet
„Bei der Braunkohle klingt es oft, als hätten wir die Wahl zwischen Umweltschutz oder Arbeitsplätzen“, sagt Milan Schwarze vom Klimacamp. „Die Sorge der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze ist auch sehr verständlich. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wurde der Kohleausstieg schon viel zu lange von den Parteien und Konzernen hinausgezögert. Das ist unverantwortlich gegenüber den Arbeitern, der Region und allen kommenden Generationen. Wir brauchen jetzt einen Wandel, der allen Menschen ein gutes Leben ermöglicht, auch den Arbeitern von RWE.“
Bis zum 29. August werden beim Klimacamp in Lützerath 1000 Teilnehmer erwartet. Die Aktivisten wollen nach Veranstalterangaben „einerseits Alternativen zum kapitalistischen Wirtschaftssystem erkunden und andererseits gegen den klimaschädlichen Braunkohleabbau protestieren“. Das Klimacamp ist frei zugänglich.

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