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Berlin: 3,1 Millionen sind arm trotz Arbeit

Immer mehr Deutsche leben an der sozialen Kante – obwohl sie einen Job haben. Im Vergleich zumJahr 2008 ist ihre Zahl um 25 Prozent gestiegen. Der Sozialverband VdK fordert Heizkostenzuschüsse.
Von Stefan Vetter
Berlin. Arbeiten gehen und trotzdem an der sozialen Kante leben – für immer mehr Menschen in Deutschland ist das bitterer Alltag. Nach einer aktuellen Datenübersicht des Statistischen Bundesamtes, die unserer Zeitung vorliegt, bezogen Ende 2013 rund 3,1 Millionen Erwerbstätige ein Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Im Jahr 2008 hatte die Zahl noch bei rund 2,5 Millionen gelegen. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent.
Als armutsgefährdet gilt, wer einschließlich aller staatlichen Transfers wie zum Beispiel Wohn- oder Kindergeld weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erzielt. 2013 lag diese Schwelle bei 979 Euro netto pro Monat. Unter den gut drei Millionen Betroffenen waren auch 1,3 Millionen sogenannte Aufstocker, die so wenig verdienten, dass sie noch zusätzliche Hartz-IV-Leistungen bezogen, um ihr Existenzminimum zu sichern.
Wie eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes ergab, konnten 379 000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen im Jahr 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen, 417 000 verzichteten auf ein angemessenes Heizen, und 538 000 sparten beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen. Für rund jeden zweiten Betroffenen (1,5 Millionen) ist schon ein einwöchiger Urlaub im Jahr außerhalb der eigenen vier Wände nicht bezahlbar. Fast 600 000 Betroffene verzichten auf einen eigenen Pkw, weil sie sich ihn nicht leisten können. Diese Angaben basieren auf Haushaltsbefragungen. Kommen mindestens vier solcher Probleme in einem Haushalt zusammen, sprechen die Statistiker von „erheblichen materiellen Entbehrungen“.
„Die Zahl der Erwerbstätigen, die mit ihrem Einkommen knapp unter oder geringfügig über den staatlichen Hartz-IV-Leistungen liegen, ist erschreckend hoch“, erklärte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher gegenüber unserer Zeitung. Für viele dieser Haushalte sei offenkundig das Wohngeld unzureichend. Dabei verwies Mascher auf den 2011 abgeschafften Heizkostenzuschuss für Geringverdiener. „Das muss rückgängig gemacht werden“, forderte die Verbandschefin. Den seit Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro bezeichnete Mascher als „Schritt in die richtige Richtung, um dem negativen Trend zu begegnen“. Der Mindestlohn helfe allerdings nur weiter, wenn er auch kontinuierlich erhöht werde.
„Der Mindestlohn muss schnell auf zehn Euro erhöht werden.“
Sabine Zimmermann (Linkspartei)

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