Freie und unabhängige Wählergemeinschaften in Aldenhoven, Inden, Jülich, Linnich, Merzenich, Titz, Vettweiß und Piratenpartei

Anfrage zu den überhöhten Benzolwerten der „Asphaltmischanlage mit Brech– und Klassieranlage“ in Niederzier-Ellen

EU-Richtlinie 2000 / 69 / EG:

– Benzol ist ein genotoxisches Humankarzinogen, (….) es gibt keine feststellbare Schwelle, unterhalb derer keine Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht.

Sehr geehrter Herr Spelthahn,
aus der betroffenen Bevölkerung erreichen uns immer wieder Beschwerden zu Emissionen der Asphaltmischanlage in Niederzier-Ellen.
Wir ersuchen Sie um Klärung der widersprüchlichen Genehmigungssachverhalte zum Benzolausstoß der Anlage und um Beantwortung unserer Fragen.

1. Wie begründet das Umweltamt des Kreises Düren in seinem Genehmigungsbescheid vom 28.11.2011, 66/2-2.15-26/10-Rie, Seite 14, dass Benzol weniger risikobehaftet ist?

2. Wieso wurden bei den drei erfolgten Kontrollmessungen zum Schadstoffausstoß nicht die „ungünstigsten Betriebsbedingungen“ zugrunde gelegt, wie von der TA-Luft gefordert?
– siehe „Materialverwendung und Durchflussmenge“ vgl. TA-Luft 5.3.2.2…

3. Wieso wurden/werden die entstehenden Abgase nicht einer Abgasreinigungseinrichtung zugeführt?
– siehe TA-Luft 5.2.8

4. Ist eine nur „temporär“ errichtete Asphaltmischanlage nach TA-Luft hinsichtlich ihres Schadstoffausstoßes anders zu bewerten und zu genehmigen?

5. In welchem Kontext steht die Genehmigung der Asphaltmischanlage zu dem Luftreinhalteplan Tagebau Hambach?

6. Wie ist die Einschätzung des Kreisgesundheitsamtes zu der oben genannten Thematik? Gibt es eine Stellungsnahme des Kreisgesundheitsamtes zu den Genehmigungsparametern?

Sachstand/Fakten:
Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes Niederzier D 6 wurde die planungsrechtliche Grundlage für die Asphaltmischanlage geschaffen.
Der Genehmigungsbescheid des Kreises Düren erfolgte am 18.11.2011 mit der Nr.: 66/2-2.15-26/10-Rie:

„Diese Anlage ist für die Produktion von 240 t Asphalt pro Stunde ausgelegt.“
„Die Genehmigung wird bis zum 31.12.2020 befristet.“
„In der Anlage wird auch Altasphalt verarbeitet.“

Genehmigungsbescheid Umweltamt Kreis Düren, Seite 14:
„Benzol: Ausschöpfung Grenzwert 5 mg/m³ = 225 g/h im Massenstrom
Zielwert 1 mg/m³ = 45 g/h im Massenstrom“

Laut TA-Luft 5.2.7.1.1 Krebserzeugende Stoffe:

„die nachstehend genannten Stoffe dürfen, (…) als Mindestanforderung insgesamt folgende (…) Massenströme im Abgas nicht überschreiten:

Klasse III Benzol im Massenstrom 2,5 g/h vgl. auch TA-Luft 5.1.2 Abs. 2

Soweit die Aussage der TA-Luft 5.3.2.2 (…) höchste Emission bei bestimmungsgemäßem Betrieb.

Dazu die Ausführungen und die Werte der drei erfolgten Kontrollmessungen an der Anlage in Ellen:
(Laut ausführende Firma: Wessling GmbH, Messstelle Bochum, Am Umweltpark 1, 44793 Bochum)

„Als Ausnahme müssen spezielle, standortspezifisch eingesetzte Stoffe wie Schlacken o. ä. betrachtet werden, die aber während dieser Messung nicht eingesetzt wurden.“
„Die Trockentrommel und der Mischer werden abgesaugt. Die abgesaugten Gase werden über einen Gewebefilter geführt und über einen Kamin an die freie Atmosphäre abgegeben.“
Messung vom: 03.07.2012 Durchfluss: 230t Benzol: 4,6g/h
04.12.2012                        190t                9,2g/h 11,7g/h
08.08.2013                       170t                5,6g/h   7,2g/h

Fazit::
Die gemessenen Werte übersteigen den Maximalausstoß laut TA Luft (2,5 g/h) um ein Vielfaches. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anlage bei den drei Überprüfungs-Messungen nicht mit ihrer Maximalkapazität (240 t) gefahren wurde! Ebenso wurden nicht die „ungünstigsten Betriebsbedingungen“ zu Grunde gelegt. Dazu hätte die Aufbereitung und das Recycling von Altasphalt gehört, wie er in dieser Anlage verarbeitet wird.

Auswirkungen:
Für die Bürger und Anlieger von Niederzier-Ellen ist bei Betrieb der Anlage und ent-sprechender Windrichtung bzw. Wetterlage ein Aufenthalt im Freien kaum bis gar nicht möglich. Sollte man sich trotzdem im Freien aufhalten, sind extreme Geruchsbelästigung, Atembeschwerden und Kopfschmerzen die Folge. Diese Gesundheitsgefährdung ist nach den Vorschriften des Imissionsschutzrechtes unzulässig.

Wir ersuchen Sie um Überprüfung der Fakten und entsprechende Maßnahmen, um die gesundheitliche Integrität der Bevölkerung zu gewährleisten.

Mit freundlichem Gruß

Michael Hintzen
Fraktionsvorsitzender

Bisher 2 Kommentare:

Odenbach sagte am 18. April 2015 um 17:12

Hier wird es genauso mit den Überschreitungen der Emision/Verschmutzung sein wie schon jetzt bei der Rheinbraun. Es geht um die Lobby und nicht um den Mensch,und Gesundheit traurig. Meine Meinung dazu es wird sich nichts ändern wir wurden als Bürger auch nicht gefragt . Der Lärm macht krank.Ist das den Verantwortlichen bewußt?

frank arndt sagte am 22. April 2015 um 14:15

Ich bin sprachlos… insbesondere gehen Kinder in die ca. 500 m entfernte Grundschule in Ellen!!!!!!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *