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Altersarmut ist meist weiblich_Ärmste Rentnerinnen leben in Heinsberg

In NRW sind bereits 250 000 Rentner auf die Grundsicherung angewiesen. Oft sind es Frauen. Das Problem wird sich verschärfen. Der DGB fordert deshalb höhere Rentenbeiträge statt Rentenkürzungen.
Düsseldorf. Angesichts ständig sinkender Renten hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor einer steigenden Altersarmut gewarnt. Nach einem gestern veröffentlichten Rentenreport des DGB beziehen in Nordrhein-Westfalen Männer eine durchschnittliche Altersrente in Höhe von monatlich 1007 Euro. Frauen erhalten im Schnitt nur etwa die Hälfte, nämlich 503 Euro pro Monat. Damit liegt die Durchschnittrente weiblicher Arbeitnehmerinnen deutlich unter der gesetzlichen Grundsicherung von monatlich 758 Euro. Im Kreis Heinsberg leben die Frauen mit den geringsten Renten im Land. Nur in sechs weiteren Kreisen von NRW lag 2013 die Höhe der ausgezahlten Rente an Neurentnerinnen ebenfalls unter 450 Euro. Nach den Angaben des DGB leben inzwischen etwa 250 000 der vier Millionen Rentner an Rhein und Ruhr von Leistungen der Grundsicherung. Alleine im letzten Jahr liege deren Anteil landesweit um 7,8 Prozent.
Deshalb plädiert der DGB für eine Anhebung der Rentenversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Mit einer schrittweisen Anhebung des Beitragssatzes von derzeit 18,9 auf 22 Prozent bis zum Jahr 2030 könnten weitere Rentenverkürzungen verhindert und zudem die Erwerbsminderungsrente spürbar verbessert werden, erklärte DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber. Das bedeute für Durchschnittsverdiener eine Zusatzbelastung von vier Euro monatlich. Nach Einschätzung Meyer-Laubers könnte damit auch die Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters ausgesetzt werden.
Voraussetzung für eine zukunftsfeste Rente sei jedoch auch, „dass keine zusätzlichen Zahlungen aus der Rentenkasse getätigt“ würden, erklärte Meyer-Lauber. Die Mütterrente aus der Rentenkasse zu finanzieren, sei „ein dramatischer Fehler der großen Koalition“.
Meyer-Lauber mahnte zudem eine deutliche Reduzierung prekärer Arbeitsverhältnisse sowie eine Reform der Minijobs an. Bundesweit seien 1,6 Millionen Menschen in betrieblichen Minijob- und etwa 200 000 in privaten Minijob-Verhältnissen beschäftigt. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, „dass Minijobs voll sozialversicherungspflichtig werden und dass ab dem ersten Euro Beiträge für die Rentenkasse fällig sind“.
Durchschnittsverdiener betroffen
Ohne zügige Schritte zur Stützung der Rentenversicherung sei „ein massives Rentenproblem“ und eine deutliche weitere Zunahme von Altersarmut zu befürchten, erklärte der Gewerkschafter weiter. Bei einer möglichen Absenkung des Rentenniveaus auf 42 Prozent des durchschnittlichen Einkommens sei hingegen abzusehen, dass auch Durchschnittsverdiener immer größere Probleme haben, nach dem Renteneintritt ihren Lebensstandard auch nur annähernd aufrecht zu erhalten, warnte die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Sabine Graf.
Anlass zur Sorge bereiteten auch die Renten, die nicht aus Altersgründen, sondern wegen Krankheit ausgezahlt werden, ergänzte die Gewerkschafterin. So lag die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente von männlichen NRW-Neurentnern 2013 bei gerade einmal 667 Euro monatlich, ein Jahr zuvor waren es noch rund 100 Euro mehr. Frauen müssten mit 90 Euro weniger auskommen. (jon/cs/epd)

Ärmste Rentnerinnen leben in Heinsberg

Rentenreport des DGB für Nordrhein-Westfalen: Gefahr der Altersarmut durch Minijobber und sinkendes Rentenniveau steigt
Düsseldorf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor weiter steigender Altersarmut. Im Rentenreport 2014 fürchtet DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber, dass die knapp vier Millionen Rentner in NRW den Gürtel künftig noch enger schnellen müssen, wenn das Rentenniveau weiter abgesenkt wird. Der DGB fordert deshalb schnelle Reformen.
Wann gehen die Menschen in Altersrente?
Im Durchschnitt erhalten Arbeitnehmer mit 64 Jahren eine Altersrente. Frauen liegen mit 64,27 Jahren nur leicht über dem Renteneintrittsalter der Männer (64,01 Jahre).
Welche Renten werden gezahlt?
53 Prozent der Renten werden beim Erreichen der Regelaltersgrenze gezahlt. Ein Drittel sind Witwen- und Waisenrenten und knapp 16 Prozent Erwerbsminderungsrenten. Erwerbsminderungsrenten erhalten Arbeitnehmer, die krank sind und deshalb nicht mehr arbeiten können.
Warum sind Frauen laut DGB die „Verlierer im Rentensystem“?
Die Durchschnittsrente von Neurentnerinnen beträgt 502 Euro monatlich, weil sie häufiger in Teilzeit oder in Minijobs arbeiten. Allerdings erhalten Frauen, die vor 1992 Kinder geboren haben, ab Juli 2014 die sogenannte Mütterrente von 28,14 Euro pro Kind. Auf längere Sicht werden die Renten der Frauen steigen, weil mehr Frauen in Vollzeit arbeiten werden.
Erhalten Frauen in Großstädten höhere Altersrenten als auf dem Land?
Im Prinzip, ja. Die niedrigste Altersrente erhalten Frauen im Durchschnitt in Borken mit 387 Euro. Auch in Heinsberg (410), Kleve (424), Recklinghausen (425), Höxter (427) und Olpe (435 Euro) liegen die Altersrenten von Frauen deutlich unter dem Landesschnitt. Im Ruhrgebiet liegt die Frauenrente meist zwischen 400 und 550 Euro, in Aachen zwischen 450 und 500 Euro und im Raum Köln-Bonn um 600 Euro monatlich.
Warum sind Minijobs besonders problematisch für die Rente?
Fast ein Viertel der Erwerbstätigen in NRW ist nicht in der Lage, eine selbstständige Alterssicherung aufzubauen. Dies betrifft vor allem die dauerhaft geringfügig Beschäftigten – etwa die 1,8 Millionen Minijobber, die kaum oder keine Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. 2013 erhielten bereits 250 000 Menschen in NRW Leistungen der Grundsicherung im Alter. Das ist ein Anstieg um 7,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Nach Berechnungen des DGB brauchen Minijobber rein rechnerisch 150 Berufsjahre, um einen Rentenanspruch oberhalb der Grundsicherung zu erreichen. (an)

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