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Aktivistin wieder frei_Polizisten mit Steinschleudern angegriffen

Zeugen erkennen Braunkohlegegnerin nicht wieder
Morschenich. Die Aktivistin, die am Montag bei einem Großeinsatz im Hambacher Forst von der Polizei festgenommen wurde, ist wieder auf freiem Fuß.
Der Frau wurde vorgeworfen, Einsatzkräfte mit einer Steinschleuder attackiert zu haben. Die Beamten umstellten am Nachmittag einen Baum, auf den die Aktivistin geklettert war. Gegen 19.30 Uhr gab sie auf und wurde festgenommen. „Der Frau konnte keine Tat nachgewiesen werden, die Zeugen haben sie nicht wiedererkannt“, sagte Dr. Jost Schützeberg, Sprecher der Staatsanwalt Aachen, gestern.
Die Aktivistin sei noch am Abend aus der Haft entlassen worden. Keine neuen Erkenntnisse gibt es angesichts der vermeintlichen Sprengsätze, die die Polizisten im Wald gefunden hatten. Die Polizei bestätigte, dass es sich bei einem Gegenstand um eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg handelte. Sie war noch mit Sprengstoff gefüllt, allerdings fehlte der Zünder.
Untersuchung dauert an
Die Untersuchung der anderen Gegenstände dauere noch an. Die Polizei ist weiterhin mit starken Einsatzkräften im Tagebaugebiet präsent. Die Frage, welche Schritte folgen sollen, um die Lage vor Ort zu beruhigen, konnten gestern weder Polizei noch Staatsanwaltschaft beantworten. (sj)


Hambacher Forst: Aktivistin flüchtet auf einen Baum. Beamte finden unkonventionelle Sprengsätze.
Von Stephan Johnen
Morschenich. Bei einem Großeinsatz im Hambacher Forst ist am Montag Abend eine Frau festgenommen worden, die mit einer Steinschleuder Polizisten angegriffen haben soll. Gegen Mittag wurden Beamte nach Auskunft des Leitenden Polizeidirektors Jürgen Möller „viermal aus der Deckung heraus“ von mehreren Braunkohle-Gegnern mit Steinen und Muttern beschossen. Eine Aktivistin, die nach Aussage Möllers auch anhand von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen klar als eine Angreiferin identifiziert werden konnte, habe sich auf einen Baum geflüchtet.
Sprengsätze
Gegen 19.30 Uhr gab sie nach Auskunft der Polizei freiwillig auf und kletterte hinunter, die Polizei hatte das Areal zuvor gesichert und Spezialisten angefordert. Um den Baum herum fanden die Beamten eine Sprenggranate aus dem Zweiten Weltkrieg, wie sich herausstellte, ohne Zünder und mehrere unkonventionelle Sprengsätze, teilte Jürgen Möller mit. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes waren ebenfalls vor Ort. Die Entschärfung der „Fundstücke“ dauerte bis Redaktionsschluss noch an, ob es sich um Attrappen oder echte Sprengvorrichtungen Marke Eigenbau handelte, war unklar.
Auch die Identität der Frau blieb bis Redaktionsschluss ungeklärt. Sie wurde im Laufe des Abend wieder auf freie Fuß gesetzt. Man habe ihr keine Tat nachweisen können, zudem hätten Zeugen sie nicht erkannt, erklärte Dr. Jost Schützeberg, Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen.
Zur Sicherung
„Nachdem es in der vergangenen Woche beinahe täglich Angriffe auf RWE-Mitarbeiter gegeben hatte, war ein Zug einer Hundertschaft im Einsatz, um die Arbeiten dort zu sichern“, erklärte Jürgen Möller. Die Angriffe blieben jedoch nicht aus, sondern richteten sich gegen die Beamten. Um die Angreifer verhaften zu können, forderte der Einsatzleiter Verstärkung an. „Mit Einbrechen der Dunkelheit habe ich den Einsatz abgebrochen. Auch aus Gründen der Eigensicherung“, sagte Möller. Bei Dunkelheit in unwegsamem Gelände zu operieren, habe er nicht verantworten können. Das Camp der Wiesenbesetzung sei nicht betreten worden, alle Wege dorthin wurden aber von Polizisten abgesperrt und bewacht. Die Beamten stellten mehrere Wurfgeschosse sicher, sie fanden auch mehrere Benzinkanister im Wald.
Bissverletzung
In ihrem Blog berichten die Aktivisten, dass die Polizei einen Hund losgelassen habe und ein Aktivist leichte Bissverletzungen erlitten habe. „Wir können dies nicht ausschließen“, hieß es seitens der Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung. Am Nachmittag sei ein Hundeführer von zwei Aktivisten ebenfalls mit Steinschleudern beschossen worden und habe hinter einem Baum Deckung gesucht. Die Geschosse, bei denen es sich um Muttern gehandelt habe, seien links und rechts neben dem Baum eingeschlagen. Als weitere Beamte mit Schutzschilden zur Unterstützung des Hundeführers kamen, habe sich der Hund losgerissen und sei kurz hinter eine Barrikade der Aktivsten gelaufen.
Entgegen der Aufforderung, den Beschuss einzustellen, hätten die Aktivisten die Polizisten weiter attackiert. „Sollte es eine verletzte Person gegeben haben, können wir diese zur Sicherheit nur auffordern, einen Arzt aufzusuchen“, hieß es aus dem Führungsstab der Polizei.
Auch gegen die unbekannten Steinschleuderschützen werde Strafanzeige erstattet.

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