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Aachen_Thiange_Reker: „besorgniserregend“_AKW Tihange: „Wie viel kommt da noch?“

Diskussionen um belgischen Meiler Tihange 2
Aachen. Die Diskussion um eine Laufzeitverlängerung des belgischen Atommeilers Tihange 2 sei besorgniserregend, sagt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) als Reaktion auf ein Interview in unserer Zeitung. Darin hatte der Direktor des Kraftwerkes, JeanPhilippe Bainier, angekündigt, dass der Konzern den Meiler gern länger in Betrieb lassen würde. „Wenn Jean-Philippe Bainier jetzt auch noch von einer möglichen Laufzeitverlängerung spricht, sollte ein Ruck durch die Gesellschaft gehen“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU).
„Mit allergrößter Sorge“ nimmt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) die Ankündigung zur Kenntnis: „Unsere kritische Haltung gegenüber dem Sicherheitsrisiko, das von Tihange 2 ausgeht, bleibt bestehen. Es macht von daher noch mehr Sinn, am Sonntag bei der Menschenkette durch eine möglichst hohe Teilnahme diese Sorge zu artikulieren.“ (mgu)  ▶ Seite 9

AKW Tihange: „Wie viel kommt da noch?“
Der Vorschlag von Engie-Electrabel, den Riss-Reaktor über 2022 hinaus laufen zu lassen, stößt in Deutschland auf Kritik, Besorgnis und Entsetzen
VON MADELEINE GULLERT
Aachen. Die Ankündigung von Engie-Eletrabel, die Meiler in Tihange und Doel länger am Netz lassen zu wollen, hat für Irritationen gesorgt. Die Nukleartechnologie sei für die nächsten zehn bis 20 Jahre eine Übergangstechnologie, hatte der Leiter des Kernkraftwerks Tihange, JeanPhilippe Bainier, in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. Der umstrittene Meiler Tihange 2 sei sicher.
Diese Aussage irritiert den Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU). Man müsse am Sonntag bei der Menschenkette ein Zeichen setzen. „Tihange  2 und Doel 3 gehören stillgelegt – für immer“, forderte er gestern erneut. Der Aachener Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko (Linke) hält den Vorstoß einer Laufzeitverlängerung für „skandalös“.
Auch über unsere Region hinaus bewegt das Thema. „Eine Diskussion um eine mögliche Laufzeitverlängerung auch für Tihange 2 erfüllt mich mit
großer Besorgnis“, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) auf Anfrage. Nicht nur die Menschen in der Dreiländerregion Aachen hätten Angst vor einem GAU im AKW Tihange, der die Region unbewohnbar machen könnte. Auch die Bürger Kölns bewege die Frage der Sicherheit. „So lange nicht klar ist, dass die Anlage auch unter Unfallbedingungen sicher ist, ist der einzige sinnvolle Schutz die Abschaltung von Tihange 2“, forderte Reker.
„Natürlich will Engie die Meiler gern länger kaufen lassen“, sagte die Aachener EU-Parlamentarierin Sabine Verheyen (CDU). Atomkraftwerke seien Goldesel. Es gebe aber einfach zu viele Unsicherheiten. „Es ist doch nach wie vor nicht belegt, ob sich die Risse nicht ändern“, sagte sie. Engie hatte eine veränderte Zahl der Wasserstoffeinschlüsse mit einer anderen Kameraposition erklärt. „Wie viel kommt da noch?“, fragt Verheyen. Sie setze weiter darauf, eine europäische Lösung zu finden.
Die Aussage, dass Tihange 2 sicher sei, ist laut der Materialwissenschaftlerin Ilse Tweer „nicht haltbar“. Denn keine identischen Beobachtungsmöglichkeiten herstellen zu können, bedeute, dass man die Ergebnisse unterschiedlicher Messvoränge nicht vergleichen könne, so Tweer, die von den Grünen um ihre Einschätzung gebeten wurde. „Wie will man also Wachstum ausschließen?“ Grünen-Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer aus Düren zeigte sich „fassungslos“.
Der Organisator der Menschenkette, Jörg Schellenberg, ist sicher: „Das ist der Tropfen, der die Menschenkette zum Überlaufen bringt.“ Inzwischen gebe es fast 30 000 Anmeldungen.
„Eine Diskussion um eine mögliche Laufzeitverlängerung auch für Tihange 2 erfüllt mich mit großer Besorgnis.“
Henriette Reker, OB Köln

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