Freie und unabhängige Wählergemeinschaften in Aldenhoven, Inden, Jülich, Linnich, Merzenich, Titz, Vettweiß und Piratenpartei

Aachen will Jodtabletten an Schulen verteilen_Auch Aachen prüft juristische Schritte gegen Tihange

Aachen. Die Stadt Aachen denkt als Reaktion auf das Wiederanfahren des umstrittenen belgischen Atomreaktors Tihange 2 darüber nach, Jodtabletten an Schulen und Kindergärten zu verteilen. Man wolle über diesen Plan mit der Landesregierung ins Gespräch kommen. Sie verfügt über die Tabletten. Die Stadt habe sich zudem dazu entschlossen, mit der Städteregion gemeinsam juristische Schritte gegen die Rissreaktoren Tihange 2 und Doel 3 bei Antwerpen zu prüfen. „Wir begrüßen die Entscheidung der Städteregion Aachen, die eine Klage prüft, und hoffen, dass sich dieser viele Kommunen anschließen“, sagte der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne).(mgu)
 ▶ Region & NRW


Belgischer Pannenreaktor: Die Stadt schließt sich der Städteregion an – und will an ihren Schulen Jodtabletten verteilen lassen
Aachen. Als Reaktion auf das Wiederanfahren des belgischen Reaktors Tihange 2 hat die Stadt Aachen beschlossen, gemeinsam mit der Städteregion Aachen juristische Schritte gegen Belgien oder den Betreiber Electrabel zu prüfen. Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) hatte dies bereits vergangene Woche angekündigt. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) fürchtet zwar, dass man wenig Erfolgsaussichten hat, will aber dennoch alles versuchen. Noch diese Woche soll es erste Ergebnisse geben.
Philipp würde künftig gern Jodtabletten an Schulen und Kindergärten verteilen. „Wenn es unter der Woche vormittags einen GAU gibt, dann ist das die beste Möglichkeit, um junge Menschen in unserer Stadt zu versorgen“, sagte der Oberbürgermeister gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Darüber wolle man jetzt mit dem Land ins Gespräch kommen. NRW verfügt nämlich über die Jodtabletten. Bei einem atomaren Unfall sollten alle Menschen im Gebäude bleiben. Da könnten Eltern schlecht ihre Kinder versorgen.
Es ist eine erste Reaktion auf die atomare Katastrophenschutzübung, die die Stadt vergangene Woche unternommen hatte. Hintergrund ist ein möglicher atomarer Unfall im belgischen Atomkraftwerk Tihange. Reaktorblock 2 des AKW bei Lüttich war am Montagabend wieder ans Netz gegangen, wie unsere Zeitung berichtet hatte. Im Druckbehälter befinden sich Tausende Haarrisse, deshalb war Tihange 2 seit März 2014 abgeschaltet gewesen.
Nun aber läuft der Reaktor, der nur etwa 60 Kilometer von Aachen entfernt ist. Das hat Konsequenzen. Die Stadt denkt darüber nach, Menschen im Vorfeld noch besser über das Verhalten bei einer Katastrophe zu informieren. „Dieses Wissen war in den 60er Jahren, zu Zeiten des Kalten Krieges, vorhanden. Heute ist das aber nicht mehr vorhanden“, sagte Philipp. Das müsse sich leider wieder ändern. Zunächst sollten Erzieher, Lehrer und Verwaltungsangestellte geschult werden.
Dass Tihange 2 wieder angefahren ist, beunruhigt Philipp. „Es gibt ein Kraftwerk mit offensichtlichen Mängeln und keine schlüssige Antwort darauf, dass es 100 Prozent ungefährlich ist.“ Die Wahrscheinlichkeit eines GAUs sei gering, aber das habe man bei Fukushima auch gedacht.
Minister der NRW-Landesregierung äußerten gestern ebenfalls Kritik. Die Kraftwerke genügten nicht den Sicherheitsanforderungen, kritisierte Energieminister Garrelt Duin (SPD). Die Bundesregierung sei nun gefragt. Der Dürener Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Grüne) mahnt, dass Tihange eine „unmittelbare Bedrohung für das ganze Rheinland“ darstelle. Tihange betreffe nicht nur Aachen oder die Städteregion – „und trotzdem geschieht auf Bundesebene nichts“, kritisiert Philipp. Doch da Energiepolitik eine nationale Angelegenheit ist, renne man gegen verschlossene Türen, sagte Philipp. Das gelte für ihn, und sicher auch für das Bundesumweltministerium, vermutet Aachens OB.(mgu)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *